Wie schafft man den Ausstieg aus der Perfektionisten-Falle?

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Antwort von Prof. Dr. Martin Beckenkamp
Prorektor, Professor Campus Köln Köln

Dinge möglichst gut zu machen und aufzupassen, dass es gelingt, ist nicht per se schon ein Fehler - im Gegenteil, Gewissenhaftigkeit als ein trait wird als mitentscheidend für die Eignung in  jeweiligen Jobs gesehen. Kritisch wird es, wenn man es bei allen Dingen - den wichtigen und den weniger wichtigen, anstrebt. Das kann dann so weit gehen, das es psychopathologisch wird. Diese Dysfunktionalität kann dann zu Burn-out und Depression führen, und sollte therapeutisch angegangen werden (vgl. dazu https://www.spektrum.de/alias/psychologie/wege-aus-der-perfektionismus-falle/1223050).

Im Job gilt es also die wirklich wichtigen Aufgaben von den weniger wichtigen zu unterscheiden, aus Sicht der Führungskraft eine Fehlerkultur zu fördern, in der man versucht aus den vergangenen Fehlern zu lernen und nicht nur die Menschen, sondern auch die Rahmenbedingungen so zu verbessern dass Fehler möglichst vermieden und nicht direkt zu fatalen Konsequenzen führen. Nicht ohne Grund gibt es etwa für Piloten Checklisten, die erfahrene Piloten wahrscheinlich auswendig aufsagen können, die aber dennoch Punkt für Punkt jeweils abgearbeitet werden. Solche strukturellen Rahmenbedingungen on the job helfen auch, dass die einzelnen Mitarbeiter weniger Risio-anfällig für die Perfektionistenfalle werden.

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Antwort von Michaela Schlichting
Freiberuflich tätig Michaela Schlichting KommunikationsTraining und Beratung Hamburg

Zuerst könnte man sich einmal fragen, was der eigene Antrieb ist, alles möglichst perfekt zu erledigen. Was befürchtet man, wenn man nicht ständig alles 110%ig erledigt? Was kompensiert man damit in sich selbst? Welche Glaubenssätze, die einen innerlich antreiben stecken hinter einem solchen Verhalten? Und dann einmal in der Realität schrittweise zu überprüfen, ob das, was man glaubt auch tatsächlich so eintrifft. In Bereichen, die einem weniger bedeutsam sind, gefühlte 100% abliefern und dann schrittweise herunter bis auf 80% oder sogar 50% gehen und einfach mal sehen, was passiert. Ob die eigenen befürchteten Reaktionen anderer Menschen tatsächlich eintreffen und falls ja, sich mit diesen Reaktionen einmal kritisch auseinanderzusetzen. Für sich selbst zu schauen, ob man dem etwas entgegenzusetzen hat, was einen selbst entlastet. Sich selbst besser zureden und mehr Verständnis für sich aufzubringen, dass es unmöglich ist immer 110% zu geben bei all den Erwartungen, die andere heutzutage an einen stellen - sei es beruflich oder privat. Kritisch zu überprüfen, was eigentlich realistisch zu bewältigen ist innerhalb der Zeit und mit den Ressourcen, die einem selbst zur Verfügung stehen. Sich Bereiche auszuwählen, die einem sehr wichtig sind, in die man mehr Zeit und Energie investieren möchte und mit welchem Ziel und ebenso Bereiche zu definieren, die persönlich weniger bedeutsam sind und die damit verbundenen Aufgaben weniger perfektionistisch anzugehen. Parallel sich bewusst darüber werden, was einem leicht von der Hand geht, d. h., worin man schon sehr gut ist und diese Fertigkeiten und Fähigkeiten entsprechend wertschätzen. Den Blick mehr auf das richten, was spielend gut gelingt. Die Erfahrung sammeln, dass die antizipierten Befürchtungen gar nicht immer eintreten, wenn man nicht perfekt funktioniert. Sich den Menschen zuwenden, die einen schätzen und mögen - jenseits der Tatsache, ob man anstehende Aufgaben nun perfekt erledigt oder nicht. Sich Stück für Stück gewahr werden, was man noch alles für Stärken, Talente, Fähigkeiten hat, die man in die Waagschale werfen kann - was man selbst alles liebenswert an sich findet. Dann fällt es leichter Stück für Stück loszulassen und zu akzeptieren, dass der eigene Wert nicht von der perfekten Erledigung der Aufgaben abhängt.

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Antwort von Lona Hanke
Inhaberin HANKE SBC BERATUNG UND COACHING Regensburg

Der wohl wichtigste Schritt ist das Erkennen "ja, ich stecke in dieser Perfektionistenfalle". Wir nennen das, das bewusste Austreten aus dem Teufelskreis. Wir sprechen heute von  inneren Antreibern, die uns zu einer bestimmten Art und Weise im Handeln führen. Die wohl bekanntesten sind z.B. Sei perfekt, Du bis nicht gut genug, mache es allen recht usw. Jeder kennt Sie, in einer bestimmten Form.

Der nächste Schritt wäre, wie ist dieser Antreiber entstanden? Wann wurde dieser Antreiber "sei perfekt" geformt. Dieser Schritt sollte wenn möglich mit einem Fachmann (Therapeut, Coach) durchgeführt werden. Hier kann dann professionell der Antreiber hinterfragt und aufgelöst werden

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Antwort von Martina Wirth
Executive Coach + Wirtschaftstrainerin coach4success Augsburg

Perfektionisten sollten sich immer eine Frage stellen:

Wer sieht und würdigt den geleisteten Mehraufwand?  

Meist werden die letzten 20 % von der Umwelt gar nicht mehr wahrgenommen. Ergo, Perfektionisten können getrost bei 80 % ihrer Leistung Schluss machen.

Einfach mal ausprobieren.  - Wenn es nicht zum entspannteren Umgang führt, dann sollte man sich fragen, wem man etwas beweisen muss? Welchem und wessen Glaubenssatz folgt man hier?

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