Welchen Nutzen sehen Sie in Teilzeitführungsmodellen?

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Antworten:

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Antwort von Dr. Sabine Hahn .
Geschäftsführer Beratung & Coaching Dr. Sabine Hahn Köln

Der meiner Meinung nach wichtigste Vorteil ist, dass qualifizierte Führungskräfte erhalten bleiben, auch wenn persönliche Erfordernisse oder Wünsche ein Teilzeitmodell notwendig machen. Aus meiner Erfahrung ist Teilzeit oft nicht vereinbar und dabei bleiben hoch motivierte uund oft sehr erfahrene Führungskräfte sprichwörtlich auf der Strasse. M.E. ohne zwingenden Grund. Insbesondere weil eine erfahrene Fürhungskraft auch sehr gut im Selbst- und Zeitmanagement ist und insofern nichts gegen eine Führung in weniger Stunden spricht. 

Die Beispiele von Teilzeitführung, die mir bekannt sind, sind alle sehr positiv und machen Mut. 

Viel Erfolg!

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1 passende Publikation von Dr. Sabine Hahn

Cover zu Führung im digitalen Zeitalter
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Antwort von Christian Mechnik .
Referent Gesamtbanksteuerung Bremen

Teilzeitführungsmodelle können zu einer Steigerung der Attraktivität für gutes Personal dienen, einem der Erfolgsfaktoren langfristig erfolgreicher Unternehmen. 

Durch die Möglichkeit des Jobsharings auf Führungspositionen vergrößert sich aus Arbeitnehmersicht in Teilzeitbeschäftigung das Universum an Weitertentwicklungsmöglichkeiten. Neben einer Fachkarriere können auch Kompetenzen in Führungsaufgaben entwickelt (oder, als in Teilzeit zurückkehrende Führungskraft, wieder ausgeübt) werden. Das persönliche Portfolio kann dadurch verbreitert werden.

Aus Arbeitgebersicht können Führungspositionen im Jobsharing mit Personen unterschiedlicher Stärken besetzt werden. Dadurch steigt die Diversität der Führungsmannschaft. 

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1 passende Publikation von Christian Mechnik

Cover zu Methoden zur Messung operationeller Risiken sowie deren Outsourcing am Beispiel der Sparkasse Bremen AG
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Antwort von Sabine Mertens .
selbstständig IP Institut für Personalentwicklung Hamburg

Attraktiv, familienfreundlich, zukunftssichernd

Während Teilzeitarbeit bei Mitarbeitern ohne Führungsverantwortung im Trend liegt, hinkt die Entwicklung bei Teilzeit-Führungspositionen noch hinterher. Dennoch gibt es auch für Führungskräfte verschiedene Teilzeitmodelle, welche auf die eine oder andere Art den Bedürfnissen aller Beteiligten gleichermaßen entgegenkommen. Teilzeitarbeit ermöglicht auch Führungskräften eine höhere Lebensqualität durch Anpassung der Jobsituation an die unterschiedlichsten Lebenssituationen. Der allgemeine Trend zur Digitalisierung und mobilen Arbeit kann den dafür notwendigen Kulturwandel beschleunigen.

Auch Führungskräfte haben ein Familienleben 

Die Möglichkeit, bei reduzierten Präsenzzeiten eine Führungsrolle auszuüben (z.B. durch Vollzeitnahe Teilzeitbeschäftigung, Jobsharing oder Jobsplitting), erlaubt Menschen, Leben und Arbeit, Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen und sehr flexibel und passgenau ganz unterschiedliche Lebensmodelle umzusetzen. Auch unter gesundheitlichen Aspekten ist Teilzeitführung attraktiv. Das dem Burnout Vorschub leistende Primat der Arbeit und die scheinbare Unentbehrlichkeit von Führungskräften wird geschwächt, und durch vermehrte Teamarbeit bzw. persönliche Assistenten, welche Teilzeitführungskräften ggfls. zur Seite gestellt werden, kommt es nicht mehr so leicht zur Überlastung einzelner Arbeitskräfte. Für die Unternehmen fällt dabei ein Wertewandel von der Präsenzkultur zur ergebnisorientierten Arbeitskultur ab. Das steigert zwar den Kommunikationsbedarf an Schnittstellen, fördert aber auch Motivation und Verantwortlichkeit für Ergebnisse. Vermehrte Teamarbeit kann ggfls. die soziale Kohäsion am Arbeitsplatz stärken, da alle an einem Strang ziehen und auf ein gemeinsames Ziel fokussieren müssen, um Ergebnisse zu erreichen.

Unternehmen profitieren von entlasteten, motivierten Mitarbeitern

Ein Tandem aus einer Teilzeitführungskraft und einem Assistenten kommt für das Unternehmen einer praxisnahen Nachwuchsförderung gleich, macht es attraktiv für Menschen mit Karriereambitionen und ermöglicht eine langfristige bzw. strategische Personalentwicklung. 

Auch der Wertewandel von der Präsenzkultur zur ergebnisorientierten Arbeitskultur müsste Unternehmen gefallen. Mitarbeiter, die auch ein Leben außerhalb der Firma haben dürfen, sind motivierter und arbeiten effizienter. Eine Teilzeitführungskultur kann so zum Instrument der Mitarbeiterbindung und Frauenförderung werden. 

Nicht automatisch nur Gewinner

Soll die Palette der Vorteile von Teilzeitarbeit ihre Wirkung voll entfalten, muss sie aktiv in die Unternehmenskultur verankert werden, und Personalentwicklung muss den Schwierigkeiten Rechnung tragen, die sich aus der Teilzeitarbeit ergeben: z.B. reduzierte Erreichbarkeit von Mitarbeitern, erhöhter Kommunikationsbedarf bei Übergaben zwischen den Mitarbeitern usw. Geschieht das nicht, leiden  Ablauforganisation und letztlich auch Kundenbeziehungen. Auf Seiten der Unternehmen entsteht also ein erhöhter Verwaltungsaufwand und ggfls. größerer Fortbildungsbedarf bei den Mitarbeitern. 

Für Arbeitnehmer schränkt die immer noch vorherrschende Geringschätzung der Teilzeitarbeit die Entwicklungs- und Karrierechancen ein. Auch das reduzierte Einkommen lässt Teilzeitarbeit (vor allem für Männer) weniger attraktiv erscheinen als Vollzeitarbeit.

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Antwort von Walter Braun .
Inhaber SYSTEM-MANAGEMENT Heiligenhaus

Geteilte Führung erleichtert sicherlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und dürfte daher auch der Karriereentwicklung von Fraunen dienlich sein.Bei der Implementierung und Begleitung eines familientauglichen Führungskonzeptes konnte ich in einem KMU auch eine sozial ausgeglichene Führungskultur feststellen. Dies hatte u.a. damit zu tun, dass sich die Verhaltensweisen der Führungstandems nicht nur anglichen bzw. ergänzten, sondern auch zur stärkeren Mitarbeiterorientierung tendierten. Bemerkenswert waren auch die positiven Effekt auf die  Wahrnehung des Unternehmens als modern, innovationsfreudig und flexibel.  Mitarbeiter- und Kundenbefragungen bestätigten die positiven Innen- und Außenwirkungen des Konzeptes.

Zwar höre ich in Debatten zu dem Thema immer wieder, dass auch ein leitungssteigernder Effekt zu erwarten ist. Verlässliche Fakten bzw. Daten kenne ich aber nicht. Ich weiß nur, dass die Einführung eines solchen Führungskonzeptes seitens der Aufgaben, der Mitarbeiter und der Vorgesetzten an Bedingungen zu knüpfen ist, damit es nicht scheitert. Dazu gehören z.B. Autonomieerfahrungen und kollaborative Einstellungen der Arbeitsgruppe sowie eine gegenseitige Akzeptanz und ein ähnliches Menschenbild bzw. Grundüberzeugungen der Vorgesetzten.

Teilzeitführung braucht in jedem Fall eine konzeptionelle Basis und ein fortlaufendes Reflektieren der Kompatibilität mit der Unternehmensausrichtung.

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1 passende Publikation von Walter Braun

Cover zu Mitarbeiterbindung - rentabel auch in schwierigen Zeiten


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