Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf das Führungsverständnis?

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Antworten:

Foto von Mark Thiel
Antwort von Mark Thiel
Geschäftsführer führungs-kräfte.net, Bochum

1.  Eine möglichst hierarchiefreie Führungskultur

2.  Die Verlagerung der Entscheidungsprozesse auf die Teams

3.  Hohe Rollen- und Aufgabenflexibilität

4.  In sehr hoher SELBSTFÜHRUNG agieren

5.  Anstelle von hierarchischer Führungsmacht tritt das dialogische Aushandeln von Führungsbeziehungen in den Vordergrund

6.  Dynamische Führungsrollen

7.  Kommunikation auf der Metaebene

 

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Foto von Thomas Rückerl
Antwort von Thomas Rückerl
Inhaber, Gesellschafter V.I.E.L Business Consulting, Hamburg

Die Digitalisierung erfordert eine neue, schnell anpassungsfähige Unternehmenskultur. Der Mangel an Planbarkeit erfordert neue Management-Systeme, wie zum Beispiel agile Konzepte oder der Ansatz von „Effectuation“. Besonders in technikorientierten oder datengetriebenen Unternehmen fehlt es aber oft an Managern, die sowohl fachlich fit sind und gleichzeitig über Führungsqualitäten verfügen.

Führungskräfte müssen große Komplexität bewältigen und gleichzeitig noch Zeit für ihre Mitarbeiter finden. Wer als Führungskraft heute erfolgreich sein will, braucht eine exzellente Selbstorganisation und den direkten Kontakt zu seinen Mitarbeitern – also nicht nur über Twitter oder E-Mail.

Wirkungsvolle Führung findet statt in motivierenden Mitarbeitergesprächen. Die digitalisierte Welt verführt uns, per Intranet, Mail oder Messenger nur auf der Sachebene zu kommunizieren. Doch das greift zu kurz. Menschen sind soziale Wesen – daran wird auch die Digitalisierung nichts ändern. Wir alle brauchen emotionale Ernährung – das Gefühl von Wertschätzung und Zugehörigkeit. Aus psychologischer und neurowissenschaftlicher Sicht ist digitale Kommunikation leider nur emotionales Junk-Food. 

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Foto von Ulrich Martin Drescher
Antwort von Ulrich Martin Drescher
Organisationsberater, Moderationsexperte moderation.de, Kirchzarten

Die Digitalisierung bedingt generell leichter verfügbare Informationen und eröffnet Kontakte lateral, quer zu fachlichen und hierarchischen Verfasstheiten. Daher gilt es für ein angemessenes Führungsvertändnis stärker noch als bisher, gemeinsame Orientierungen zu geben, Spielregeln zu vereinbaren und über Ziele zu führen. Neben dem früher möglichen hierarchischen Durchgriff ist daher mehr "Laterales Führen" gefordert.

"Laterales Führen" (von lateinisch: latus = die Seite, die Flanke ) ist ein praxiserprobtes Vorgehen, um nach allen Seiten ( z.B. Kollegen, Kunden, Vorgesetzte, Teammitglieder, Projektmitarbeitende aus eigenen und fremden Unternehmen, virtuelle Teams,....) effizient und wertschätzend zu führen. Diese Fähigkeit "lateral" zu führen, ohne formale Führungskompetenz zu haben, ist insbesondere bei Teams, abteilungs- und firmenübergreifenden Gruppen oder auch virtuellen Projekten entscheidend.
"Laterales Führen" beruht auf drei Ansätzen:
* Perspektiven und Sichtweisen der Beteiligten bewusst verändern,
* Macht und Einfluss als entscheidend erkennen und fair einspielen,
* Vertrauen bei allen aufbauen und im System belastungsfähig sichern.
"Laterales Führen" kann man lernen und üben, am besten in Kooperation mit anderen Führungs-Verantwortlichen mittels kollegialer Beratung.

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Antwort von Christian Mechnik
Referent Gesamtbanksteuerung, Bremen

Die Aufgaben einer Führungskraft werden sich durch die Digitalisierung nicht verändern: 1) Für Ziele sorgen, 2) Entscheiden, 3) Organisieren, 4) Kontrollieren und 5) Menschen fördern. Da sich durch die Digitalisierung aber die Rahmenbedingungen in einem bisher nicht gekannten Tempo verändern, ist es umso wichtiger, den Menschen Halt und Orientierung zu geben. Dabei spielen Grundsätze wie die Fokussierung auf Weniges, positives Denken und Vertrauen eine wichtige Rolle. ?

1) Für Ziele sorgen?

Das Unternehmensziel muss in kleine Puzzlestücke zerlegt werden, um den Mitarbeitern einen sinnerfüllenden Beitrag zum Ganzen als Ziel zu geben. Das Unternehmensziel ist eine Beschreibung, welchen Kundennutzen das Unternehmens in der Zukunft stiften kann (Geschäftsmodelle, Produkte, Zugangskanäle, Median) und wie die Organisation darauf ausgerichtet werden muss (unter anderem Vernetzung von Unternehmensbereichen). Bei der Formulierung des Unternehmensziels kommt es darauf an, schöpferische Phantasien für die Möglichkeiten der Digitalisierung in der gesamten Wertschöpfungskette zu entwickeln.?

2) Entscheiden?

Die gesamte Wertschöpfungskette und die Wechselwirkungen untereinander lösen das Silodenken einzelner prozessbeteiligter Einheiten ab. Daher müssen Führungskräfte die Gesamtzusammenhänge verstehen. Die Entscheidungskompetenz wird dichter an den Prozess zu den Mitarbeitern verlagert. Führungskräfte definieren den Rahmen und schenken Vertrauen. ?

3) Organisieren?

Digitalisierung kann nicht organisatorisch verordnet werden durch Projekte oder Beauftragte. Eine starre Einbindung in die Organisationsstruktur hemmt die Agilität und Anpassungsfähigkeit. Die Menschen im Unternehmen werden prozessübergreifend arbeiten. Dazu sind das Teilen eigener Informationen, damit verbunden die Aufgabe von Wissensvorteilen und die Anpassungsfährigkeit innerhalb der Organisation erforderlich. Solche Maßnahmen lösen oft Ängste um Reputation und Status aus. Diese müssen durch die Führungskräfte erkannt und aktiv moderiert werden. Das betrifft selbstverständlich auch Führungskräfte selbst. Diese Menschen haben die Chance, als gute Beispiele voranzugehen. ?

4) Kontrollieren?

Die Komplexität der Prozesse und der Wechselwirkungen macht eine Kontrolle an einer Stelle schwierig. Ebenso wie die Verlagerung von Entscheidungen zu den prozessbeteiligten Menschen werden auch die Kontrollen dorthin verlagert werden müssen. Die Führungskraft kontrolliert weniger die Ergebnisse der Arbeit, sondern die Leistungsfähigkeit und Beziehungen der ihr anvertrauten Mitarbeiter. Gegenseitiges Vertrauen ist hierfür die entscheidende Grundlage. ?

5) Menschen fördern?

Um mit dem rasanten Tempo von Veränderung und Innovation mithalten zu können, ist die permanente Entwicklung der Kompetenzen der Mitarbeiter erforderlich. Das umfasst fachliche und persönliche Kompetenzen wie Veränderungsbereitschaft und Lernwille, zu denen eine gewisse Müdigkeit einsetzen kann. Die Führungskräfte haben die Aufgabe, die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu unterstützen und müssen daher angemessene Möglichkeiten und Anreize dafür schaffen, inkl. einer Gesundheitsförderung.?

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