Macht ein durchstrukturierter Tag erfolgreicher im Beruf? Wenn ja, wie sollte der Tag strukturiert sein?

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Antworten:

Foto von Dr. Werner Antal
Antwort von Dr. Werner Antal
Motivationscoach MTT-ANTAL, Managementtraining & -Therapie, Wien

Grundsätzlich ja! Sie bauen eine andere 'Zeitbewusstheit' auf und reduzieren Stressanfälligkeit. Das 'Wie' hängt sicher von der Aufgabenstellung ab. Ausführliche Selbstbeobachtung und Erfassung der im Monatszyklus anfallenden Tätigkeiten sowie deren Bewertung nach Wichtigkeit und erforderlicher Intensität sind Voraussetzungen für ein erfolgversprechendes Zeitmanagement. Trotz aller Struktur muss bei zunehmender Verantwortung im Arbeitsbereich Platz für 'Unvorhergesehenes' bleiben und die damit erforderliche Flexibilität vorhanden sein!

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Antwort von Christian Schober
Geschäftsführer, Hamburg

Sind Sie ein "monochroner" (eins zur Zeit, viel Struktur) oder ein "polychroner" (flexiber) Zeit(plan)typ? - Ermitteln Sie dies und Sie finden die Antwort selbst.

Ihre Frage lässt mich vermuten, dass Sie ein polychroner Typ sind (zumindest hohe Anteile davon) der sich in einem monotonen Umfeld befindet, das ihn als unstrukturiert darstellt. Finden Sie Ihre Stärken heraus, dann sind Sie auch als seinbar "chaotischer" Mensch erfolgreich.

 

MLG Christian Schober

Experte für gesunde Kommunikation

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Antwort von Sibylle Kaminski
Inhaberin, Köln

Wann ist ein Tag erfolgreich? Wenn man alle Aufgaben erledigt bekommen hat, keine Konflikte hatte und pünktlich in den Feierabend kommt? Oder wenn man mit Wachheit durch den Tag ging und Stress, Konflikten, Zeitdruck angemessen begegnen konnte?

Sich und dem Tag eine Struktur zu geben, halte ich natürlich für sinnvoll. Aber "durchstrukturiert" hört sich nicht gut an. Nicht alle Stunden dürfen verplant werden, denn es geschieht so viel Unvorhergesehenes. Früher hieß es 20% Zeit nicht verplanen, heute würde ich zu 50% tendieren, aber das ist unrealistisch...

Für mich ist ein erfolgreicher Tag, wenn ich gute Begegnungen hatte, mit Freude meine Arbeit getan habe und nicht schachmatt die Bürotür schließe.

Sibylle Kaminski. www.relaxyourwork.de

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Antwort von Margit E. Flierl
Inhaberin / Managing Director Delta Consultants EK, Nürnberg

Ja, durchaus!

ich persönlich beginne mit einem 1-Stunden Spaziergang im Wald mit meinem Hund, dann kommt eine intensive Vormittags-Arbeitsphase. Mittags wird frisch gekocht und ich nehme mir Zeit zum Essen und einer anschließenden 15 Minuten Ruhephase mit anschließendem Yoga.

Der Nachmittag ist wieder der Arbeit gewidmet, bis ich wieder mit meinem Hund spazieren gehe. Dann kommt nochmal eine Arbeits-Session und der Abend klingt ruhig aus.

Aus meiner Sicht ist der Wechsel zwischen Bewegung, Arbeit, Erholung wichtig und gibt dem Tag eine erfreuliche Fitness. Wer keinen Hund hat kann joggen oder Yoga betreiben.

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Antwort von Franz J. Schweifer
Geschäftsführer Die ManagementOASE, Mödling b. Wien

Zunächst: Allgemeingültige oder eindimensionale Antworten sind auch hier nicht zielführend. Denn, ob "durchstrukturiert" (wenig) Sinn macht, hängt u.a. vom KONTEXT bzw. vom TYPUS ab.

1. (Arbeits-)Kontext heißt:
Eine taffe Durchstrukturierung ist kontraproduktiv, wenn es etwa um kreative Prozesse des Nachdenkens, Innovierens, Querdenkens etc. geht; denn eine enge Getaktetheit ist der Tod jeglicher Kreativität. Auch ist die Gefahr eines negativen Domino-Effekts evident, wenn zu viele Termine & Todos in einen Tag hineingepackt werden; denn selbst bei minutiöser Durchstrukturierung kann ein einziges ungeplantes Ereignis den wohldurchdachten Plan zunichte machen. Oder wie es Friedrich Dürrenmatt blendend ausdrückte: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall.“

Wiewohl es an sich grundsätzlich vorteilhaft sein wird, gerade in "dichten" Zeiten die Arbeitstage bestmöglich zu strukturieren. Oder wenn es um Tätigkeiten geht, die größtmögliche Präzision und Konzentration verlangen. Ansonsten droht von vornherein Chaos.

2. (Arbeits-)Typus heißt:
Nicht jeder Mensch verträgt Strukturiertheit und Geordnetheit gleich gut. Manche brauchen - zumindest temporär - zeitliche u/o organisatorische Freiräume, um zur Hochform aufzulaufen. Auch ist der Analogieschluss "unordentlich = unproduktiv" nur bedingt zulässig. Oder um mit dem hochproduktiven Geist Albert Einstein (augenzwinkernd) zu sprechen: „Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was sagt dann ein leerer Schreibtisch über den Menschen, der ihn benutzt aus?“

Glz. ist pure Improvisation auf Dauer für kaum jemand hilfreich. Dosierte Struktur schafft Überblick und fördert den Scharfblick für das Machbare - und für das, was getan werden muss, um etwa einem ersehnten Ziel näher zu kommen bzw. es zu erreichen.

Conclusio:
Grundsätzlich gilt wohl auch hier die alte Paracelsus-Formel: Die Dosis macht das Gift. D.h. es ist der Scharfsinn gefordert, zu entscheiden: In welchem Kontext braucht es für welchen Typus welches Maß an Strukturiertheit? Die Brücken-Metapher mag in d. Zusammenhang hilfreich sein: Jede gute, stabile Brücke von einem Ufer zum anderen "lebt" vom Fundament, d.h. von den Säulen am Anfang, dazwischen und am Ende. Umgelegt auf den Arbeitsalltag kann das heißen: Wie sollen diese "Säulen" aussehen? Und wie viele "Säulen" (= wichtige, strukturierte Eck-/Haltepunkte) brauche ich für diesen und jenen Tag (oder längerfristig), um "erfolgreich" zu sein.

Das impliziert die noch viel wichtigere Frage, die uns eine individuelle Antwort abverlangt: Was konkret ist für mich überhaupt "Erfolg"? Und woran erkenne ich, "erfolgreich" zu sein? Meine persönliche Antwort lautet: "Erfolg ist das, was folgt, wenn ich mir folge. D.h. meinem innersten Wesenskern, meinen Träumen, Talenten, Sehnsüchten."

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Franz J. Schweifer
Mödling b. Wien, 11.05.2017
f.j.schweifer@managementoase.at

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Antwort von Dr. Reinhard Billmeier
Inhaber Entwicklungsberatung Reinhard Billmeier, Hildesheim

Was ist der Hintergrund Ihrer Frage?

Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihre Tage zu wenig Struktur - und das ist sehr oft eine Frage von Selbstschutz - haben, dann wird man diese Frage wohl mit Ja zu beantworten haben. Im übrigen ist das sehr oft im Coaching eine Frage von "frisch" ernannten Führungskräften, die feststellen, dass die "immer offene Türe" ihre Grenzen braucht.

Dennoch: Ich bin kein Freund von ZUVIEL Struktur. Sorgen Sie für eine gute innere Balance, dann brauchen Sie weniger Regeln, die IMMER irgendwann in die Irre führen. Verlass ist letztlich im Wesentlichen auf eine ausgebildete, reife Intuition, die situativ sagt, was wann sinnvolol ist. Und: Dazu braucht es Präsenz, um das abgenudelte Wort von der Achtsamkeit zu vermeiden.

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