Kann man lernen, mit Stress und Belastung besser umzugehen?

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Antworten:

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Antwort von Klaus Steuding
Geschäftsführer Mettmann

Ja. Das Stichwort hierzu lautet Resilienz. Aus der Werkstoffkunde kommend beschreibt es die Fähigkeit, flexibel auf äußere Einflüsse zu reagieren und dennoch immer wieder zu seiner ursprünglichen Form zurückzufinden. In Zeiten von 'immer schneller, höher, weiter' ist Resilienz daher zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor geworden. Und die Resilienzforschung belegt: Resilienz und Stressmanagement kann man lernen.

Wer beispielsweise Entspannungstechniken lernt, bevor er sie braucht, kann einem Burnout vorbeugen. Doch es geht dabei um viel mehr, als nur um Entspannung. Es geht um unsere innere Einstellung, unsere Haltung, unsere eingefahrenen Denk- und Verhaltensmuster.

Gemeinsam mit einem guten Coach/Trainer reflektieren Sie diese Dinge nicht nur, sondern verändern sie auch nachhaltig, sodass Sie wieder Zeit für Ihre Hobbys finden, Spaß an sportlicher Betätigung erleben und vor allem wieder lernen, viel zu lachen. Denn Lachen hilft, besser mit Stress umzugehen, stärkt unser Immunsystem, versorgt unseren Körper mit Endorphinen und reduziert die Stresshormone Cortisol und Adrenalin.

All das können Sie leicht und mit einer Menge Spaß lernen und damit langfristig Ihre Leistungsfähigkeit und Lebensqualität steigern.

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Antwort von Erich R. Unkrig
Inhaber ILOS® Institut für lernfähige Organisationen und Systeme Krefeld

Das ist eine komplexe Frage, auf die sich nicht so einfach eine kurze Antwort finden lässt. Zunächst die gute Botschaft: JA, Stressmanagement ist lernbar. Und nun einige Hintergründe und Handlungsempfehlungen:

Unsere mentale Antwort auf Stress ist weitestgehend „voreingestellt“; sie wird bestimmt durch eine seit Urzeiten in unserem Gehirn programmierte Reaktion auf Bedrohungen.

Diese Reaktion auf Bedrohungen wird oft als "Fight-or-Flight"-Antwort bezeichnet. Angesichts einer wahrgenommenen physischen Gefahr (bspw. ein knurrender Hund während des morgendlichen Joggens) oder als einer mentalen Herausforderung (bspw. die Vorbereitung auf eine Präsentation) sendet das Gehirn spezifische Hormone, um unseren Körper auf Aktion bzw. Reaktion vorzubereiten:

  • Unsere Herzfrequenz und unser Blutdruck steigen.
  • Die Muskeln im Körper sind angespannt - bereit zum Handeln.
  • Unsere Atmung beschleunigt sich, um mehr Sauerstoff aufzunehmen.

Erst wenn die „Bedrohung“ vorbei ist, beginnt unser Körper, sich zu entspannen. Die Rückkehr in den Ausgangszustand dauert zwischen 20 und 60 Minuten. Das Verständnis dieses uralten Handlungsmusters ist für uns ein Weg, um mit Stress erzeugenden Situationen umzugehen und sie bewältigen.

Weil es uns meistens schwerfällt, Stressoren in den Griff zu bekommen und zu kontrollieren, müssen wir einen für uns passenden Ansatz finden, um effektiver unseren Stress zu managen, der ja -wie anfangs geschrieben- immer ein Teil des Lebens ist. In manchen Fällen wird dies durch Reduzierung oder Minimierung eines Stressfaktors, in anderen durch Vermeidung oder gar Beseitigung möglich sein. Beispielsweise könnten wir uns resp. Sie sich folgende Maßnahmen vornehmen:

  • Ich reduziere, wo sinnvoll und machbar, ab und zu meine Fahrten ins Büro, indem ich nach Absprache mit meinem Chef von zu Hause aus arbeite. Das wird mir helfen, meine Zeit noch besser einzusetzen und etwas mehr „Work-Private-Balance“ zu gewinnen.                              
  • Ich überlege, ob ich eine schwierige Aufgabe oder ein zeitaufwändiges Projekt nicht effizienter bearbeitet könnte, bspw. indem ich Andere um Unterstützung bitte und einbinde. Das wird mich darin unterstützen, andere Ideen mit einzubinden und meine Ressourcen noch besser zu nutzen.                               
  • Ich akzeptiere, dass ich mir hier und da ggf. zu viel zumute oder zu viele Aufgaben/ Aufträge angenommen habe. Ich habe den Mut, diese Situation mit meinem Chef und/oder den Kollegen zu besprechen. Das wird mir sicherlich erlauben, mich aus bestimmten Rollen und Aufgaben ein wenig zurückzuziehen, um den Druck zu reduzieren und so wieder effektiver zu sein.                                                                   
  • Ich nehme mir Zeit, um darüber nachzudenken, wie ich arbeite, wie ich Prioritäten setze oder entscheide. Das wird mir helfen, Aufgaben bereits frühzeitig tiefer zu durchdenken und zu planen und so ggf. Umwege und Fehler zu vermeiden.
  • Ich überprüfe von Zeit zu Zeit, ob das, was ich tue, mit meinen persönlichen Werten zusammenpasst. Das wird mir helfen, überzeugter und mit mehr Engagement meine Aufgaben zu erfüllen.

Ich hoffe, die kurzen Ausführungen helfen mit Blick auf die Ausgangsfrage weiter.

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Antwort von Anna Royon-Weigelt
Geschäftsführung RESPEA Berlin

Stress und Belastungen haben mehrere Dimensionen: zum Einen die individuelle Dimension, die den persönlichen Bezug zu Stresssituationen und Stressoren betrifft; darüber zu reflektieren, zum Beispiel im Rahmen eines Coaching-Prozesses, hilft mir zu verstehen, wie ich mit Stress umgehe, welche Erfahrungen oder Glaubenssätze damit im Zusammenhang stehen können, und was ich daran verändern kann und will.

Stress und Belastung können auch mit der Aufgabe zu tun haben, die zu bewältigen ist. In manchen Branchen ist der Stress vorprogrammiert und hängt mit den Arbeitsbedingungen zusammen: Lärm, hohes Tempo und enge Deadlines, häufige Konfliktsituationen wie z.B. beim Beschwerdemanagement, usw. Spezifische Trainings und eine ausgleichende Arbeitsplatzgestaltung helfen, die Balance zu halten.

Auch die Gruppendimension ist bei Stress ein wichtiger Aspekt. Wie Mitglieder eines Teams oder einer Arbeitsgruppe miteinander umgehen, die gemeinsame Arbeitskultur gestalten, wie Konflikte ausgetragen werden, hat einen maßgeblichen Einfluss auf den Stresslevel und die Arbeits(un)zufriedenheit. Eine Gruppe, die sich Zeit nimmt, über diese Aspekte zu reflektieren und gemeinsam das Miteinander so stressfrei wir möglich zu gestalten, hat gute Chancen, zu lernen, besser mit Stress und Belastung umzugehen und sich erfolgreich dabei auf Dauer zu unterstützen.

Letztendlich können Organisation dies auch lernen. Strukturelle Ursachen für Stress (dysfunktionale Arbeitsorganisation, Umstrukturierungen, mangelnde Kommunikation über Veränderungen) können in Organisationen zum Beispiel dadurch verringert werden, dass Räume für Dialog und Veränderung entstehen und Menschen befähigt sind, Entscheidungsräume zu nutzen und zu gestalten. Oft hat dies mit Vertrauen zu tun und Zuversicht - also sehr potente Mittel (genauer gesagt Gefühle) gegen Stress.

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Antwort von Stefanie Hilger
Geschäftsführerin, Inhaberin Leuchtende Zukunft Hamburg

unabhängig davon wie die Situation ist: Stress beginnt und endet in unserem Kopf! 

Wenn wir uns bewußt machen, was uns wirklich stresst (nicht die Arbeitsmenge sondern meine Gedanken dazu!), dann können wir dem wirkungsvoll begegnen. Wenn Sie Coaching in diesem Bereich wünschen, kontaktieren Sie mich gern.

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Foto von Eva-Maria Fetzner
Antwort von Eva-Maria Fetzner
Inhaberin FETZNER Telefontraining Pforzheim

Stress beginnt im Kopf, deshalb ist ein erster Schritt, die eigene Einstellung unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam ist besser als einsam: Über die Situation offen kommunizieren, sich über Strategien mit anderen Menschen auszutauschen, um Anregungen für die eigene Situation zu erhalten, sind weitere Schritte. Wichtig ist dann die Frage: Was kann ich selbst tun, damit ich mit der Belastung besser umgehen kann? Durch gezielte Übungen auf der kognitiven, emotionalen, vegetativen und muskulären Ebene lässt sich nach und nach eine sinnvolle Resilienz erreichen. 

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Foto von Babak Rafati
Antwort von Babak Rafati
Selbständig Hannover

Ja das kann man auf jeden Fall. Es gilt zunächst die Zusammenhänge, Motive, Menschen und sich selbst besser kennenzulerlen, um dann zu verstahen und daraus resultierend Lösungen und Strategien anzuwenden. Psychologie Bücher,Seminare und Vorträge können  sehr hilfreich sein alles ganzheitlich zu betrachten, um dann gelassn durch gesunde Reaktion auf ungesunde Umstände zu reagieren, insbesondere im Job. Näheres können Sie auch gerne unter meiner Homepage www.babak-rafati.de erfahren.

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