Diagnose Burnout: Wie steigt man geordnet aus dem Berufsleben aus?

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Antwort von Erich R. Unkrig
Inhaber ILOS® Institut für lernfähige Organisationen und Systeme Krefeld

Prinzipiell kann jeder Mensch ein Burn-Out-Syndrom entwickeln. Auslöser sind i.d.R. berufliche oder private Situationen, die extrem belastend sind. Kann man aus einem solchen "Hamsterrad" geordnet aussteigen? Ich glaube es nicht, zumal die Betroffenen es nicht oder oft erst spät als solches erkennen. Denn: Diese Krankheit entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern entwickelt sich peu-a-peu und über einen längeren Zeitraum hinweg. Wahrscheinlich fällt es in einem frühern Stadum leichter.

Die grundsätzlichen Phasen sind (Achtung: das ist kein systematischer Entwicklungsprozess, sondern kann von Mensch zu Mensch variieren):

Stadium 1: Der Zwang, sich zu beweisen

Anzeichen: Übertriebener Ehrgeiz - Tatendrang, und Interesse verwandeln sich in Verbissenheit und Leistungszwang - Rückgang der Bereitschaft, die Grenzen der eigenen Möglichkeiten zu erkennen und Misserfolge hinzunehmen - …

Stadium 2: Verstärkter Einsatz

Anzeichen: Erhöht des Engagements/Einsatzes, die eigenen (übertriebenen!) Erwartungen zu erfüllen - Delegieren fällt schwer - Gefühl, alles selbst machen zu müssen - …

Stadium 3: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

Anzeichen: Zeit nur noch für Berufliches - "Freie Zeit" verliert ihren Sinn - ...

Stadium 4: Verdrängung von Konflikten

Anzeichen: Problemen werden nicht akzeptiert bzw. gelöst - Konflikte werden weggeschoben bzw. verleugnet - Ersten körperliche Beschwerden - ....

Stadium 5: Umdeutung von Werten

Anzeichen: Veränderung der Wahrnehmung – Umdeutung eigener Werte – Alleiniger Wert/Maßstab für die eigene Wichtigkeit ist der Job – Emotionale Abstumpfung - …

Stadium 6: Verleugnung der auftretenden Probleme

Anzeichen: Intoleranz ggü. Anderen - Zynismus und Aggression - …

Stadium 7: Rückzug

Anzeichen: Sozialen Kontakte sind auf dem Minimum - Zunehmende Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit - "Dienst nach Vorschrift" – Griff zu Suchtmitteln wie (Alkohol, Medikamente, …) - …

Stadium 8: Offensichtliche Verhaltensänderungen

Anzeichen: Deutlich wahrnehmbare Verhaltensänderungen (ängstlich, scheu, apathisch) – Schuldsuche bei der „Umwelt“ – Gefühl von „Wertlosigkeit“ - …

Stadium 9: Depersonalisierung

Anzeichen: Keine Empathie zu/für sich selbst (weder Wertschätzung für sich selbst noch andere) – Fokus nur auf das Jetzt - …

Stadium 10: Innere Leere

Anzeichen: Innere Leere – Suche nach Beschäftigung - Überschussreaktionen (gesteigerte Sexualität, übermäßiges Essen, Drogen- und Alkoholgenuss, …) - …

Stadium 11: Depression

Anzeichen: Gleichgültig, hoffnungslos, erschöpft - Keine Perspektiven – Teilnahmslosigkeit - Leben verliert den Sinn - …

Stadium 12: Totale Erschöpfung

Anzeichen: Völliger körperlicher und mentaler Zusammenbruch – Möglichkeit von Suizid-Gedanken - … (ACHTUNG: SPÄTESTENS JETZT IST ÄRZTLICHE HILFE GEBOTEN!)

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Antwort von Hans-Jürgen Honsa
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Unter der Prämisse "Diagnose Burnout" sind schwerpunktmäßig zwei Szenarien denkbar:
1. Erreichen der Altersgrenze; hier ist die finanzielle Seite durch den Rentenanspruch weitestgehend abgesichert, sodass die Problematik der Gesundheit mehr Aufmerksamkeit erhalten kann. Nach Möglichkeit noch eine Rehamaßnahme durchführen bzw. zumindest vorbereiten und nach Kurerfolg das persönliche Netzwerk verstärkt aktivieren (Besuche, Einladungen, Vereinsleben....) und ggfls. eine befriedigende Tätgigkeit zu Hause oder als Ehrenamt (im Verein, Kommune, Kirche, Freiwilligenagentur...) suchen.

2. vor Erreichen der Altersgrenze; hier steht die Sicherung der finanziellen Absicherung fast gleichwertig neben der Gesundheit, die natürlich ebenfalls erst wieder hergestellt werden muss (s. auch Resilienz). Danach je nach speziellem Fall eine neue Arbeitsstelle bzw. neue Einkommensquelle suchen. Mitunter wächst in dieser "Notsituation" auch die Fähigkeit zur Aktivierung eigener Stärken und damit zur Selbständigkeit. 

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