Vergütungsberatung: Was ist zu beachten?

1 Expertenantwort: Foto von Dr. Heinz-Peter Kieser

Antworten:

Foto von Dr. Heinz-Peter Kieser
Antwort von Dr. Heinz-Peter Kieser
Inhaber Vergütungsberatung - Managementberatung Dr. Finkenrath Dr. Kieser und Partner Walldürn-Hornbach

Vergütungsberatung: Die Rolle des Beraters bei Vergütungsumstellungen

 

Variable Vergütung ist heute deutlich anspruchsvoller als in früheren Jahren. Moderne Vergütungssysteme beinhalten einen spürbaren variablen Einkommensanteil, sind zielorientiert, d.h. binden die Mitarbeiter in die Ziele des Unternehmens bzw. des Fachbereichs ein. Sie sind spannend gestaltet (d.h. Mehrleistung lohnt sich), sind teamorientiert und motivierend. Solche Vergütungssysteme schaffen für das Unternehmen neue Perspektiven

•          indem sie ein leichteres und besseres Erreichen der Unternehmens- bzw. Bereichsziele ermöglichen

•          indem sie deutliche Ertragsverbesserungen für das Unternehmen realisieren helfen

•          indem sich mehr Motivation und Engagement seitens der Mitarbeiter einstellt

•          indem das Unternehmen mehr Krisenfestigkeit durch höhere Kostenflexibilität erhält

•          durch stärkeres Teamdenken und den Abbau von Reibungsverlusten

•          durch mehr Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter

•          durch verbesserte Leistungskultur aufgrund einer Fokussierung auf Ergebnisse.

 

Dabei zählt die Umstellung der Mitarbeiter auf ein neues Vergütungssystem sicherlich zu den besonders sensiblen Themen. Daraus resultiert wiederum, dass das neue Vergütungssystem nicht per "Versuch und Irrtum" eingeführt werden darf. Fehler werden absolut nicht verziehen und die Zahl der möglichen Fehler, die unterlaufen können, ist groß. Ist durch einen Fehler erst einmal Porzellan zerschlagen und Misstrauen geweckt, ist nachträgliches Korrigieren in aller Regel nicht mehr möglich. Deshalb empfiehlt sich meist, einen externen Experten im Rahmen einer Vergütungsberatung einzubeziehen.

 

Die Aufgaben Vergütungsberatung

Die Aufgabe der Vergütungsberatung ist demnach die Veränderung eines bestehenden oder der Einführung eines neuen Vergütungssystems. Dabei geht es nicht nur um einen äußerst sensiblen Vorgang, sondern auch um einen relativ komplexen. Die Gefahr, dass aufgrund eines nachvollziehbaren Misstrauens der Mitarbeiter und aufgrund innerer Widerstände das Projekt nur halbherzig umgesetzt wird, ist dabei nicht zu vernachlässigen. Fehlende Kenntnisse über die Möglichkeiten moderner Vergütungssysteme und/oder fehlendes Wissen über arbeitsrechtliche Grenzen und Vorschriften können dazu führen, dass das Projekt zu einer „Dauerbaustelle“ ausartet, von der negative Signal- und Motivationswirkungen auf die gesamte Mannschaft des Unternehmens ausgehen.

Im Rahmen meiner Tätigkeit in der Vergütungsberatung konnte ich mehrfach beobachten, dass inkompetent umgesetzte Vergütungsprojekte über den Kreis der direkt betroffenen Mitarbeiter hinaus zu Frust führten. Ebenso wurde eine Skepsis gegenüber neuen Anläufen aufgebaut, doch noch ein verbessertes Vergütungsmodell zu installieren.

Die Frage, ob ein Vergütungsprojekt erfolgreich abläuft oder nicht, hängt in hohem Maß von der Akzeptanz und der Mitwirkung der betroffenen Mitarbeiter und Betriebsräte ab. Deshalb sind Unternehmen meist gut beraten, einen externen Sachverständigen im Rahmen der Vergütungsberatung in das Projekt einzubinden. Dieser übernimmt mit hohem fachlichem Wissen und Einfühlungsvermögen die Rolle eines „Lotsen durch schwieriges Terrain“. Er wirkt im Rahmen seiner Vergütungsberatung als externer Change Agent, um Akzeptanz zu schaffen und um die notwendigen Veränderungen gemeinsam mit den betroffenen Führungskräften, Mitarbeitern und Betriebsräten durchzuführen.

 

Ziele der Vergütungsberatung

Das Ziel eines klug agierenden Change Agent muss es sein, im Rahmen der Vergütungsberatung notwendige Veränderungsprozesse auf der sozialen Ebene abzusichern. Dabei helfen ihm sein Fachwissen und seine Objektivität. Ebenso hilft seine Distanz zu internen sozialen Problemen im Unternehmen, seine Erfahrung und seine Unabhängigkeit.

Erfahrungsgemäß erhält der externe Sachverständige im Rahmen der Vergütungsberatung zu den betroffenen Menschen eher Zugang als die Führungskräfte des Unternehmens, denen seitens der Mitarbeiter tendenziell Eigeninteressen unterstellt werden. Dem externen Experten, der im Rahmen der Vergütungsberatung als Change Agent auftritt, obliegt es, durch seine Erfahrungen aus anderen, ähnlichen  Projekten, Ergebnisse voranzubringen. Er wirkt als Lösungsgeber und wickelt das Vergütungsprojekt im Rahmen der Vergütungsberatung in einem überschaubarem Zeitraum ab.

Ein qualifizierter Change Agent braucht dazu aber im Rahmen der Vergütungsberatung nicht nur Erfahrung und Fachwissen, sondern ebenso ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, auf Meinungen und Bedenken der Menschen einzugehen, die vom neuen Vergütungssystem betroffen sind.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Dr. Heinz-Peter Kieser

Cover zu Variable Vergütung im Vertrieb als Führungs- und Steuerungsinstrument
Cover zu Vertriebsprovision: Darum gehören unternehmensspezifische KPI in die Vertriebsprovision
Cover zu Vergütung im Außendienst - wie kann man ungerechte Vergütung verhindern?


Weitere Fragen zum Thema Vertriebsvergütung