Wie kann ich persönliche Krisen unbeschadet überstehen und noch gestärkt daraus hervorgehen?

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Antworten:

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Antwort von Brigitte Hilscher
10minutes AG, Brannenburg

Persönliche Krisen sind notwendig für menschliches Wachstum. Jede Krise erzwingt eine Erneuerung und eine mögliche Kursänderung.
Krisen lassen uns reifen und sind nichts anderes wie kleine oder große Türöffner in den nächsten Lebensabschnitt. Das zu verstehen nimmt den Druck und der Mensch erlebt sich nicht mehr als Opfer.

Der Diamant wird geschliffen um noch mehr zu brillieren.

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Antwort von Volker Saar
Geschäftsführer Skills Academy, Nürnberg

Das kommt auf die Art und den Umfang der Krise an. Wenn man eine Krise mit einer Verletzung vergleicht, dann sollte man um manche Dinge wahrscheinlich kein Drama machen. Die Zeit heilt fast alle Wunden. Bei größeren 'Verletzungen' lohnt sich eine genaue Ansicht. Vielleicht können im ersten Schritt Freunde helfen.

Kommen wir zu den Krisen, die schwere Eingriffe in die Normalität des eigenen Lebens bedeuten. Das kann ein Jobverlust sein - vielleicht sogar der Verlust eines Partners. Im Business kann häufig ein Coach dabei helfen, die Ursachen zu finden und gemeinsame Lösungen zu entwickeln. Hier kann man tatsächlich aus Krisen gestärkt hervorgehen, das passiert relativ häufig. Vielleicht gelingt es nämlich mit Unterstützung, eine andere Sichtweise einzunehmen oder ein Muster zu erkennen. Alleine ist man häufig so in der negativen Sicht verhaftet, dass ein Ausstieg schwierig ist. Es gibt viele Fälle, in denen alleine die externe Sicht eines Business Coaches extrem hilfreich ist. Wenn er/sie das Handwerk versteht.

Wurde jemand allerdings durch eine Krise so stark verletzt, dass ein krankhafter Zustand vorliegt, sollte man Expertenrat einholen bei einer Person, die bei Traumatabewältigung oder bei Psychosen helfen kann, also ein Psychologe oder Psychiater (m/w).

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Antwort von Erich R. Unkrig
Inhaber ILOS® Institut für lernfähige Organisationen und Systeme, Krefeld

Hinter dieser Frage steht ganz praktisch ein immer mehr zunehmender Bedarf in der sogenannten VUCA-Welt und aus der wissenschaftlichen Perspektive das Konzept der Resilienz (mehr über die Resilienz fördernden Faktoren finden sich in einem pdf der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung -Stichwort: Bengel/Lyssenko 2012- im Internet). Mit den folgenden Ausführungen versuche ich, das komplexe Thema pragmatisch zu beantworten:

DIE PERSÖNLICHEN GRENZEN ANERKENNEN

Jede/r von uns hat (s)eine ganz persönliche Stressschwelle – unterhalb dieser findet sich die Menge an Anforderungen und Herausforderungen, die wir im Allgemeinen handhaben können. Und bis zu dieser Schwelle kann es für uns spannend, anspruchsvoll, fordernd sein und sogar Spaß machen. Wenn der Druck und in der Folge der Stress steigen, werden wir immer aufmerksamer, aktiver und handlungsfähiger. Allerdings kommt irgendwann der Punkt, wo Stress für uns zur Bedrängnis wird und er uns zumeist unversehens über eben diese Schwelle hebt. Ab diesem Punkt sind wir nicht mehr effizient und können trotz aller Bemühungen und Anstrengungen nicht mehr optimale Ergebnisse erbringen. Alles, was jetzt passiert, ist, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen, um gestellte Erwartungen zu befriedigen und unsere Aufgaben erfolgreich zu erledigen. Und dieses „Mehr“ an Anstrengung fördert den Stress zusätzlich.

WIE STRESS AUF UNS WIRKEN KANN!

Unsere Reaktion auf Druck und Stress hängt in besonderen Maße davon ab, wie wir das, was mit uns geschieht, wahrnehmen und interpretieren. Warum ist das so?

Unsere Wahrnehmung und Interpretation von Ereignissen wird weitestgehend davon beeinflusst, wie wir aufgrund unserer Erfahrungen auf sie reagieren, und davon, wie wir „die Welt sehen“. Dahinter verbirgt sich eine komplexe Mischung von Faktoren, bspw. unsere Persönlichkeit und Werte oder auch Empathie, Klarheit, Aufrichtigkeit und Orientierung. 

Wenn wir davon überzeugt sind, dass unser Leben überwiegend positiv verläuft und dass wir Einfluss auf das haben, was mit uns geschieht, dann können wir auch mit Herausforderungen und Stress umgehen. Wenn wir selbst aber wenig Vertrauen zu uns und ein geringes Selbstwertgefühl haben, so kann dies dazu führen, dass wir den Druck und Stress für unüberwindbar und außerhalb unseres Einflussbereiches sehen. Dies kann zu einem allgemeinen Gefühl der Hilflosigkeit führen und die damit verbundene Angst wird uns Stress bereiten.

"ECHO" FÜR MEHR MENTALE FITNESS UND PERSÖNLICHE ELASTIZIATÄT

[ECHO als Acronym steht für die englischen Begriffe Empathy, Clarity, Honesty, Orientation und als Konzept eine vor allem in der beruflichen Praxis bewährte "Handlungsanweisung" - Quelle: Unkrig 2017)

EMPATHIE

  • Ich akzeptiere mich als Persönlichkeit.
  • Ich verstehe meine Gefühle, die eine konkrete Situation in mir auslöst.

KLARHEIT

  • Ich kenne meinen Handlungs- und Verantwortungsspielraum.
  • Ich verstehe den Sinn und Zweck, der hinter Anweisungen und Leitlinien steckt.

AUFRICHTIGKEIT

  • Ich bleibe meinen Werten treu.
  • Ich bin sowohl selbstkritisch als auch reflektiert.

ORIENTIERUNG

  • Ich kenne meine persönlichen Grenzen, meine Stärken sowie die Optimierungspotenziale.
  • Ich handele in Übereinstimmung mit meinen Überzeugungen. 

 

So viel in aller Kürze - ich hoffe, Ihnen damit einige Denkanstöße geben zu können.

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Antwort von Dr. Werner Antal
Motivationscoach MTT-ANTAL, Managementtraining & -Therapie, Wien

Ändern Sie Ihre mentale Software (s. MSE®) und nehmen Sie jede Krise als Chance, als Chance zur persönlichen Entwicklung wahr! Lassen Sie sich ein in das Fitnesscenter "Leben" und trainieren Sie! Sie werden sich wundern über das was alles möglich ist! 'Möge die Übung gelingen.'

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Antwort von Dr. Brigitte Wolter
Top Coach brandinvest® Corporate Coaching, Hohenstein

Der Begriff "Krise" ist schon per Definition vielschichtig. Er kann z.B. entscheidender Wendepunkt in einer Entwicklung bedeuten oder auch Zuspitzung, Eskalation einer gefährlichen Situation. 

Ob eine Situation als Wendepunkt oder Eskalation bzw. Zusammenbruch erlebt wird, hängt davon ab, wie sie bewertet wird. Nachfolgend dazu das Wort Krise als Akronym, einmal negativ, einmal positiv assoziiert: (Vielleicht finden Sie noch weitere Assoziationen dazu.)   

 

Akronym Krise

Negative Assoziationen

  • K Katastrophe, Kummer, Konfusion
  • R Riss, Risiko, Ratlos, Runterziehen
  • I Instabil, Irrtum
  • S Schwer, Sorge, Spannung, Schlag, Schuld, Scham
  • E Erschütterung, Einschränkung, Enge, Erstarrung

 


Positive Assoziationen

  • K Klarheit, Kern, Kraft
  • R Richtung, Ruf, Renovierung, Reflexion, Reinigung
  • I Inspiration, Information, Input
  • S Schöpfung, Segen, Sinn, Sprung, Stärkung
  • E Erneuerung, Entwicklung, Erfahrung, Erfolg

Gehen wir davon aus, dass eine Krise eine Situation ist, mit der man zunächst nicht klarkommt. Bei persönlichen Krisen mag es daran liegen, dass die Art zu denken, zu bewerten, zu entscheiden und zu handeln in der aktuellen Situation unproduktiv ist. Das heißt, die Situation kann nur mit einem anderen Denken und Handeln bewältigt werden. Die gewohnten Muster reichen nicht mehr aus. Hier liegen die Chancen einer sog. Krise. Sie zeigt sehr deutlich, wo noch Entwicklungspotential ist und was man neu lernen, bzw. welche Fähigkeiten man wieder ausgraben und aktualisieren muss, um mit der Situation fertig zu werden und um künftig ähnlichen Herausforderungen gewachsen zu sein. Die Betonung liegt auch "wachsen". Wenn man das aus eigener Kraft nicht schafft oder frische Denkanstöße braucht, so kann eine Therapie oder ein Krisen-Coaching sehr hilfreich sein. 

Die ursprüngliche Frage lautet: Kann ich persönliche Krisen unbeschadet überstehen....? Was heißt aber "unbeschadet"? Was ist damit gemeint?

Fakt ist, dass persönliches Wachstum zur Entwicklung von Krisenkompetenz kein Sonntagsspaziergang ist. Dieser Weg birgt auch Risiken. Doch es hilft nichts, wenn die Krise da ist, muss man dadurch. Das heißt, laut diverser Krisen-Modelle von der anfänglichen Schockphase über die Verdrängungs- und Leugnungsphase hin zur Bearbeitungs- und Neuorientierungsphase einen ungemütlichen Weg gehen, der viel Kraft kostet. Der Lohn für all die Mühe winkt in gestärktem Selbstvertrauen und einem tieferen Verständnis von sich selbst.   

Schaden nimmt, wer unterwegs in einer der Phasen steckenbleibt. Spätestens dann ist Hilfe von außen keine Option mehr. 

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Antwort von Hans-Jürgen Honsa
, Salzgitter

Das Stichwort hierzu heißt: Resilienz! Resilienz ist die Fähigkeit mit Krisen, Schicksalsschlägen Belastungen besonders gut umgehen zu können.Resiliente Menschen wachsen an Krisen, weil sie aus ihnen lernen! Es gibt sieben Schwerpunkte derResilienz, die hier nur kurz aufgezeigt werden können: 1. Gefühlsstabilität (Stress als Herausforderung annehmen) 2. Optimismus (Niederlagen werden nicht verallgemeinert; nächstes Mal klappt es besser!) 3. Analysestärke (Ursachen für Misserfolge finden und Lehren daraus ziehen) 4. Realismus (Langfristig denken und realistsiche Ziele setzen) 5. Handlungskontrolle (keine negative Fremdbestimmung zulassen) 6. Selbstbewusstsein (an eigene Stärken glauben; keine Opferrolle einnehmen) 7. Kontaktfreude (Persönliches Netzwerk schaffen und Hilfe annehmen)! Wahre Lebenskunst zeigt sich darin, dass man auch dazu fähig ist, leiden zu können!

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Antwort von Michael Buhlert
Coach und Inhaber, Wallhöfen

Wenn gefragt wird, wie man eine Krise unbeschadet übersteht, ist in diesem Fall sicherlich die Vermeidung eines Schadens an der Psyche gemeint.

Eine Krise sollte immer als eine Chance zur Veränderung gesehen werden. Eine persönliche Krise kommt ja in den allermeisten Fällen nicht unerwartet: Wie oft hat man doch vorher schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt? Oftmals tun wir die Hinweise darauf einfach ab. Etwas läuft nicht "rund" oder es gibt Widerstände. Wir nehmen das zwar zur Kenntnis, mehr oder weniger, aber machen einfach weiter in unserer Routine. Im Laufe der Zeit werden die Probleme grösser und grösser und sind nicht mehr einfach zu ignorieren. Hier beginnt die Krise.

In dem Moment ist es natürlich nicht ganz einfach, "cool" zu bleiben. Die Möglichkeit aus der Situation herauszukommen ist, sich klar zu werden, wie der Weg dorthin war. Welche Anzeichen oder Hinweise habe ich übersehen? War ich aufmerksam genug? Was hat die Krise mit mir und meinem Verhalten zu tun? Welche Veränderungen sind erforderlich, um nicht wieder in die gleiche Situation zu geraten?

Eine Krise ist positiv zu sehen, weil sie uns Chancen zur persönlichen Entwicklung gibt. Wenn wir nicht einfach "abtauchen" und alles über uns ergehen lassen, sondern aktiv werden, handeln und die Fragen in dem Sinne, wie zuvor genannt stellen, werden sich die notwendigen Erkenntnisse und Veränderungen ergeben.

Oft erkennt man erst danach, wie wertvoll doch eine Krise dann war.