Resilienz der Person & Resilienz im Unternehmen: Passt das zusammen oder sind das "2 Paar Schuhe"?

2 Expertenantworten: Foto von Thomas Drach Foto von Erich R. Unkrig

Antworten:

Foto von Thomas Drach
Antwort von Thomas Drach
Geschäftsführer Thomas Drach Bermatingen

Ich würde es mal so beantworten: Resilienz der Mitarbeiter liegt sehr nahe an der Resilienz im Unternehmen. Beides ist miteinander verbunden. Nachdem ein Unternehmen nur so stark ist, wie seine Mitarbeiter, passt Beides also auch zusammen.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

1 passende Publikation von Thomas Drach

Cover zu Forever Clever
Foto von Erich R. Unkrig
Antwort von Erich R. Unkrig
Inhaber ILOS® Institut für lernfähige Organisationen und Systeme Krefeld

Das ist eine interessante Frage, die unterschiedliche Sichtweisen zulässt. Zunächst einmal: in der US-amerikanischen Literatur finden sich einige Ansätze, die individuelle, kollektive und organisationale Resilienz in einem Modell verbinden (bspw. Sheffi 2007, McCann/Selsky 2012 oder Sutcliffe/Weick 2012).

Wenn wir in den deutschsprachigen Raum schauen, dann finden sich kaum Konzepte, die diesen Versuch unternehmen. Die Forschung konzentriert sich überwiegend auf die personale Resilienz, beispielsweise in Forschungseinrichtungen wie dem DRZ Deutsches Resilienz-Zentrum oder in Projekten wie MARP Mainzer Resilienz Projekt.

Einen Versuch (zumindest ist dieser angekündigt) unternimmt ein Zusammenschluss der wohl profiliertesten Protagonisten individueller Resilienz (ORES e.V.), bei dem die neun Faktoren organisationaler Resilienz (aus der ISO-Norm 22316) validiert werden sollen. Ob dies zu einem alle Facetten von Resilienz im Unternehmen integrierenden Ansatz führt, scheint derzeit offen. Denn: auf der individuellen Ebene der Resilienz präferieren und vertreten die ORES-Initiatoren in der Regel sieben R-Faktoren, die sich auf eine Veröffentlichung (Reivich/Shatté 2003) beziehen und diese unter verschiedenen Begriffen adaptieren. Wie beides, ISO und Reivich/Shatté, in einem Bild zusammengeführt werden soll, ist derzeit unklar. Was für „2 Paar Schuhe“ sprechen würde.

Eine aktuelle Studie (ILOS) hat 1.320 Statements aus 78 Unternehmen zu der Frage „Was fördert Resilienz?“ bzw. „Was behindert Resilienz?“ ausgewertet. Das Ergebnis waren 45 Faktoren, von denen mit 50% der Statements vier R-Faktoren "dominierten": Empathie, Klarheit, Aufrichtigkeit, Orientierung. Einzelauswertungen (Nennung der R-Faktoren jeweils in absteigender Reihenfolge) zeigen folgendes:

334 Statements zu Faktoren der individuellen Resilienz, von denen sich 51% auf die R-Faktoren Zielorientierung, Klarheit, Optimismus, Aufrichtigkeit, Ressourcen und Soziale Beziehung beziehen.

324 Statements zu Faktoren der kollektiven (Team-)Resilienz, von denen sich 59% auf die R-Faktoren Klarheit, Zielorientierung, Aufrichtigkeit, Empathie beziehen.

277 Statements zu Faktoren der resilienzfördernden Führung, von den sich 64% auf die R-Faktoren Klarheit, Empathie, Aufrichtigkeit, Zielorientierung beziehen.

384 Statements zu Faktoren der organisationalen Resilienz, von denen sich 52% auf die R-Faktoren Klarheit, Zielorientierung, Veränderungskompetenz, Innovation, Stabilität beziehen.

(Hinweis: eine Zusammenfassung der skizzierten Ergebnisse gibt es unter resilienzmanager@ilos-institut.de).

ILOS hat diese Begriffe auf dem individuellen, kollektiven und organisationalen Level operationalisiert und vertritt die Auffassung, dass ein Unternehmen nur dann resilient sein kann, wenn diese Level gleichermaßen berücksichtigt und gefördert werden. Was für „alles aus einem Guss“ sprechen würde.

Ich hoffe, mit dieser kurzen Darstellung dem/r Fragestellenden weitergeholfen zu haben.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Erich R. Unkrig

Cover zu Strategisches Kompetenzmanagement
Cover zu Resilienz & der Wertbeitrag im Unternehmen
Cover zu Organisationale Resilienz


Weitere Fragen zum Thema Resilienz