Kann man Teamfähigkeit lernen?

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Antworten:

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Antwort von Andreas Blessing
Inhaber Teamtuning Heiningen (Kreis Göppingen)

Ja, es ist eine Fähigkeit und damit erlernbar. Und wie immer, wenn es um das Thema Lernen geht, stellt sich die Frage: Will ich es lernen?

Mag sein, dass der eine mehr oder der andere weniger gute Voraussetzungen - wie Talent - mitbringt, aber Talent ist nicht entscheidend. Im Sport und im Business gibt es tausende von Talenten, die sogenannte ewige Talente bleiben. Es gibt allerdings auch viele, die nicht mit großem Talent gesegent sind, aber durch die Lust am Lernen, durch (Trainings)Fleiß und Beharrlichkeit viel erreichen.

Neben dem Willen etwas lernen zu wollen, ist es eine zweite Voraussetzung, die die Grundlage für Erfolg bildet: Es braucht einen guten Lehrer/Coach/Trainer. Idealerweise hat dieser ein erfolgserprobtes System, mit dem man die gewünschte Fähigkeit in angemessener Zeit erlernen kann.

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Antwort von Michael Alznauer
Inhaber, Founder, Geschäftsführer Change Support Team Bonn

Möchten Sie selbst teamfähiger werden - oder jemanden teamfähiger machen? Es stellt einen gewaltigen Unterschied dar, ob Sie an sich arbeiten möchten - oder einen anderen Menschen verändern wollen. Ich vermute, Sie hatten eine konkrete Situation und reale Menschen vor Augen, als Sie Ihre Frage gestellt haben. Vielleicht sogar auch eine eigene Antwort.

Grundsätzlich wissen wir alle, dass es nicht leicht ist, "aus seiner Haut zu kommen". Das verlangt oftmals eine hohe Motivation, systematisches Arbeiten und nicht selten konstruktiv-professionelle Unterstützung von anderen Menschen. Je mehr unsere eigenen Gewohnheiten und Vorlieben uns dabei im Wege stehen, umso weiter rückt das angestrebte Ziel in die Ferne.

Sie ahnen, was das alles für den Fall bedeutet, dass Sie jemand anderen verändern möchten.

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Antwort von Martina Wirth
Executive Coach + Wirtschaftstrainerin coach4success Augsburg

Jein!

Teamfähig ist im Grunde jeder, der erkennt, dass aus der Kooperation mit Anderen sich auch für ihn persönlich ein höherer Nutzen im Vergleich zum Einzelkämpfertum ergibt. Gruppen oder Teams kooperieren entweder freiwillig um ein Ziel zu erreichen, oder es herrscht "Zwang" - meist in Form der strukturell vorgegebenen Organisation. Daraus erkennt man, dass wir es viel seltener mit echten Teams zu tun haben und wir Teamfähigkeit auf vorgegebene Arbeitsgruppen übertragen wollen und das einfach als Soft Skill erwarten!

Die Basis von Teamfähigkeit ist Vertrauen! ... und ob Vertrauen sich mit den Bedingungen des allgemeinen Wettbewerbs im Arbeitsleben immer sinnvoll verbinden lässt, muss jeder für sich selbst herausfinden.

Von den Arbeitsergebnissen her betrachtet, wird Teamarbeit überschätzt.

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Antwort von Ulf D. Posé
Inhaber POSÉTRAINING Mönchengladbach

Ja, das kann man.

In der Soziologie wird zwischen Team und Gruppe nicht unterschieden. Diesen Umstand sollten wir nicht mehr hinnehmen. Unterscheiden wir also einmal Team von Gruppe und prüfen anschließend, ob eine Führungskraft teamfähig sein muss.

Die Kennzeichen einer Gruppe

In einer Gruppe wird erst einmal ermittelt, wer das sagen hat. Kommt ein neues Mitglied in die Gruppe, dann wird äußerst aufwendig geregelt, wie die zukünftige Hackordnung auszusehen hat. Der Konferenzstil geht über Beziehungen: wer kann mit wem, wer setzt sich durch?

Eine Gruppe zeichnet sich also aus durch:

Einflussfragen, Hierarchiegeplänkel, Freundschaften oder Feindschaften, Konferenzrituale, es gibt immer Sieger und Besiegte.

Die Kennzeichen eines Teams

In einem Team spielt die optimale Problemlösung die entscheidende Rolle. Ein Team wird über gemeinsamen Erkenntnisfortschritt ein Problem lösen wollen. Dabei können in einem Team immer nur alle gewinnen, wenn das Problem gelöst wird oder alle verlieren, wenn das Problem nicht gelöst wird.

Ein Team zeichnet sich also aus durch:

Diskursfähigkeit, Problemlösung, Hierarchiefreiheit, Zielorientierung und eine gute Kameradschaft, es gibt nur Gewinner oder Verlierer.

Die Vorteile eines echten Teams

So werden im Team Lösungen gewünscht, in der Gruppe Beziehungen.  Leider versuchen nicht wenige Führungskräfte immer wieder aufgrund der höheren hierarchischen Position ihren Einfluss geltend zu machen. Dabei spielt in einem Team die Hierarchie nur bei der Verantwortung eine Rolle, nicht jedoch bei der Entscheidung. Das Team entscheidet, der Chef verantwortet. In der Realität sieht es oft umgekehrt aus! Dabei vergessen nicht wenige Chefs, dass selbst ein Azubi durchaus zu einer Problemlösung beitragen kann. Jeder Mensch unterliegt sicher Irrtümern und Täuschungen. In einem Team geht es darum, diese Irrtümer und Täuschungen zu minimieren. Je besser die Teammitglieder es schaffen, durch ihre Wortbeiträge neue Gedanken, Ideen, Vorstellungen oder Impulse ins Team hinein zu geben, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die gefundene Lösung eines Problems die rational vernünftigste Entscheidung darstellt.

Die besonderen Merkmale der Teamfähigkeit

Schon der berühmte Herr Fiedler (der mit den Fiedler-Werten) fand bereits 1953! heraus, dass effektive Teams aus Personen bestehen, die psychisch auf Distanz bleiben, und sich nur auf die Aufgabe konzentrieren. Das bedeutet: teamfähig ist genau der Mitarbeiter, der ausschließlich gemeinsam mit seinen Kollegen gegen ein Problem kämpft, jedoch niemals gegen Menschen. Das heißt des weiteren, dass jemand dann genau teamfähig ist, wenn er ein Problem selbst dann mit anderen optimal löst, wenn er die anderen überhaupt nicht leiden kann. Teamfähig heißt also nicht gruppenfähig oder gar pflegeleicht zu sein. Allenfalls eine gewisse Passungsfähigkeit wird benötigt. Die vernetzte Informationsverarbeitung, das Freisetzen von Kreativität (also realistisches Denken gegen Regeln),  der Erkenntnisfortschritt zur Erarbeitung realitätsdichter Lösungen zeichnet Teamfähigkeit aus.

Die Fehler einer Entscheidungsfindung

Ich halte es für tragisch, wenn sich in Unternehmen immer wieder Gruppen zusammen finden, die sich dann Team nennen. Mit Mitteln der Gruppendynamik wird anschließend versucht aus solch einer Gruppe ein Team werden zu lassen.

Teams beherrschen Teaminteraktionen. Solche Methoden sind in der Diskurstechnik verankert. Diskurstechnik ist eine methodische Vorgehensweise, die in ihrer Struktur jedweden Versuch, hierarchische Positionen in die Entscheidungsfindung einzubringen, völlig unmöglich macht. In Gruppen herrscht dagegen der Konferenzstil, in dem egoistische Optimierungsspiele ohne Kooperation gespielt werden. Die Lösungen in diesen Konferenzen sind oft reine Nullsummenspiele. Was der eine Konferenzteilnehmer verliert, gewinnt ein anderer. Sie können sich einmal fragen: Wenn sich meine Überlegung in einem Problemlösungsprozess als falsch heraus stellt, freuen Sie sich dann über den Erkenntnisfortschritt oder ärgern Sie sich, wieder einmal nicht Recht behalten zu haben? Im ersten Fall sind Sie teamfähig, im zweiten Fall gruppenfähig.

Der Vorgesetzte muss nicht teamfähig sein

Was ist nun die Aufgabe einer Führungskraft in einem Team? Sie muss die vom Team getroffene Entscheidung im Unternehmen durchsetzen können. Darauf kommt es an! Wird die Entscheidung nicht durchgesetzt, dann kommt der Vorgesetzte zu seinen Leuten wieder zurück mit einer neuen Empfehlung seines Vorgesetzten oder seiner Kollegen.

Ein Teamleiter sollte in der Lage sein, ein gutes Team zusammenstellen zu können. Er hat die Aufgabe, Projekte und Aufgaben für das  Team zu definieren. Er achtet darauf, dass die Randbedingungen vom Team eingehalten werden (die Gesetze, Vorstandsvorgaben, die Unternehmenssatzung). Er muss darauf achten, dass Dogmatiker aus seinem Team entfernt werden, denn sie behindern optimale Lösungen. Ein Teamleiter muss daneben akzeptieren können, dass sein Team eine bessere Lösung für ein Problem erarbeitet, als er alleine es kann. Er muss auch nicht an den Teamsitzungen teilnehmen. Aber er muss die Beschlüsse des Team im Unternehmen durchsetzen. Das Blöde ist nur: Teamfähigkeit und Durchsetzungsfähigkeit schließen sich nahezu aus.

Und so kommt es zu den berühmten Spielchen in den Pseudoteams: Das Diva-Spiel: der Ranghöchste bestimmt. Das Ideenkiller-Spiel: Vorschläge anderer sind unbrauchbar. Das Recycling-Spiel: alle Teammitglieder gehen raus, neue kommen herein. Das Helicopter-Spiel: gelegentlich im Team auftauchen, Staub aufwirbeln und davon schweben. Das  Schwarze-Peter-Spiel: Schuldige suchen, statt Lösungen.

Also: Teamfähigkeit ist lernbar, wenn die Merkmale eines Teams und die dazu gehördenden Teamfähigkeiten definiert und trainiert werden.

Ulf Posé

 

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Antwort von Cornelia Kiel
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Bis zu einem gewissen Grad kann jeder erwachsene MenschTeamfähigkeit noch lernen.

Teamfähigkeit sollte aber schon in der Kindheit gelernt werden, da es später sehr schwer ist, seine Persönlichkeit authentisch zu verändern.

Teamfähigkeit ist eine soziale Kompetenz. Die Teamfähigkeit beschreibt Fähigkeiten und Fertigkeiten, die das Individuum für das Zusammenarbeiten mit anderen braucht.

Fähigkeiten und Fertigkeiten kann jeder lernen und beherrschen aber die persönliche Einstellung zu Respekt und wertvollem Umgang miteinander muss gegeben sein.

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Antwort von Wolfgang U. Lauer
Inhaber Owingen

Idealerweise schon in der Kita, in einer großen Familie, im Freundeskreis, in der Schule, im Mannschaftssport, in der Sozialarbeit oder dann in der Weiterbildung. Weniger nachhaltig wird es in den vom Mainstream derzeit favorisierten Outdorveranstaltungen, die zwar jede Menge Spaß und Unterhaltungswert bieten, wo Teamfähigkeit jedoch nur ein zeitlich befristeter Kick im Wettbewerb ist ohne tiefere Reflexion und methodische Arbeit.  

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Antwort von Dr. Sabine Hahn
Geschäftsführer Digital Leadership Beratung Dr. Sabine Hahn Köln

Spannende Frage! Meiner Einschätzung nach: ja und nein.

Sicherlich kann reflektiert werden, was es für Teamfähigkeit braucht, welche Kompetenzen und wie bzw. ob überhaupt diese erworben werden können. Andererseits sehe ich einen Unterschied zwischen Teamfähigkeit (jemand kann im Team arbeiten) und der Präferenz für Teamarbeit (jemand arbeitet am liebsten im Team). Letzteres kann ich erlernt werden. 

Zudem würde mich der Hintergrund der Frage interessieren - sollte von außen an sie herangetragen worden sein, dass sie teamfähiger werden müssen, bin ich skeptisch. Generell braucht es für persönliche Entwicklung eine eigene Motivation.

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Foto von Guido Neumann
Antwort von Guido Neumann
Geschäftsführer das Weiterbildungskontor Berlin

Als Trainer einer Sportmannschaft kann ich die Frage nur mit "ja" beantworten. "Kompromissbereitschaft" ist eine hilfreiche Eigenschaft. Kompromissbereitschaft meint hier, aufmerksam für die Belange und Bedürfnisse der anderen zu sein ohne seine eigenen Belange und Bedürfnisse zu "bagatellisieren".

Der Lernprozess findet durch viel Selbstreflektion und Feedback des Teams statt. Eine gute Unterstützung dazu liefert das Johari-Fenster.

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