Warum ist Agilität heute so wichtig und was zeichnet agile Unternehmen aus?

17 Expertenantworten: Foto von Barbara Landers-Schultz Foto von Lutz Breunig Foto von Christina Calla Schwab Foto von Wolf Schumacher Foto von Thomas Walenta Foto von Erich R. Unkrig Foto von Dr. Jürgen Schüppel Foto von Stefan Guhr Foto von Helmut König Foto von Ralph Dalibor Foto von Dr. Wolfgang Schlaak Foto von Wolfgang Dorst Foto von Silka Strauss Foto von Dr. Mario Buchinger
...

Antworten:

Foto von Peter Rach
Antwort von Peter Rach
Inhaber Peter Rach Team & Kommunikation Mömbris

Wie immer kurze Frage, lange Antwort ;-)

Agil bedeutet ja "schnelle Reaktion auf Veränderung". Das "Heute" bezieht sich auf unsere heutige (Wirtschafts-)Welt. Diese heutige Welt ist geprägt von einer rasanten technischen Entwicklung, von einer komplexen Verquickung von Einflussfaktoren, einer unberechenbaren politischen Situation, usw. Man nennt sie auch oft VUKA-Welt (Volatilität, Unberechenbarkeit, Komplexität, Ambiguität). In einer solchen Welt macht es immer weniger Sinn, Mitarbeiter nasch fixen Plänen handeln zu lassen, Ihnen Entscheidungen vorzugeben, und ihre Kommunikation der Effizienz wegen, nur noch über elektronische Medien laufen zu lassen.

Das plastische Beispiel: Sie sollen mit dem Fahrrad vom Kuhdamm zum Brandenburger Tor fahren. Ihre Führungskraft plant Ihre Strecke, trifft alle Entscheidungen, bringt ihnen perfekt das Radfahren bei, und dann verbindet sie Ihnen die Augen und sagt "jetzt aber schnell los!". Der Straßenverkehr ist aber komplex und unberechenbar. Es gibt Baustellen, Staus, und andere Verkehrsteilnehmer. SIE müssten schnell und angemessen reagieren können. Aber blind fehlen Ihnen die Informationen zum entscheiden. Da Ihr Chef schon alles geplant hat, erwartet er ohnehin, dass Sie nicht vom Plan abweichen. Diese nicht-agile Arbeitsweise ist im VUKA-Kontext zum scheitern verurteilt.    

Es gibt aber auch Kontexte, in denen agiles Arbeiten weniger funktioniert bzw. einfach keinen Sinn ergibt.

Was bedeutet Agilität denn nun genau im Zusammenhang von Unternehmen? Das Agile Manifest (Die Keimzellen des agilen Arbeitens, entstanden in der Softwareentwicklung), beschreibt einige Prinzipien für die Zusammenarbeit die die Arbeitsleistung eines Teams wesentlich schneller und effizienter machen; u.a.:

  • Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans
  • Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  • Funktionierende Produkte (Software) steht über einer umfassenden Dokumentatio

Das bedeutet in der Praxis, das Herunterfahren von Planungsaufwand, den Pläne haben im VUKA-Umfeld nur eine geringe Halbwertszeit. Wir navigieren besser auf Sicht als nach Plan. Wir freuen uns, wenn wir einen Eisberg sehen (Veränderung), den so können wir ihm ausweichen.

Das bedeutet aber auch, Abbau von Hierarchie und Befehlsketten. Statt die Information zum Entscheider zu bringen, bringen wir die Entscheidungsbefugnis zur Information, an die Front, zu dem Mitarbeiter, der am nächsten am Problem ist (dem Radfahrer). Das ist schneller und die Entscheidungen sind oft qualitativ höherwertiger. Wir nutzen Empowerment, bis hin zur vollständigen, chef-freien Selbstorganisation der Teams.

Kollaboration spielt eine große Rolle. Statt nach Schema F zu entscheiden, führen wir viele Entscheidungen über Gruppenprozesse herbei. Die Erfahrung zeigt, dass eine Gruppe mit vielen unterschiedlichen Einschätzungen in einem komplexen Umfeld bessere Entscheidungen trifft, als der intelligenteste Einzelne. Denn niemand ist allein intelligent genug um VUKA zu beherrschen. Deshalb lassen sich agile Organisationen auch oft bis hin zur Unternehmensführung demokratisieren. Außerdem sind in agilen Systemen die "Experten" gehalten, sich täglich intensiv und persönlich face-to-face miteinander abzustimmen. Teams werden interdisziplinär besetzt.

Transparenz und Informationsfluss haben eine große Bedeutung für das funktionieren hierarchie-armer und kollaborativer Entscheidungen. Nur wer über alle relevanten Informationen verfügt, trifft guten Entscheidungen. In agilen Unternehmen ist "nichts" mehr geheim. Die Mitarbeiter kennen die Gewinnsituation, die Kakulation, die Gehälter, Strategien und die Begründungen dahinter, usw.

Kollaborative und agile Arbeitsmethoden halten Einzug in klassische Unternehmen jeder Branche: SCRUM, Kanban, Design Thinking, sorgen für den nötigen Informationsfluss, effektive Arbeitsweise im Team, Ausstausch und effiziente Zusammenarbeit. Professionelle Moderationsmethoden und Team-Tools werden geschult und intensiv genutzt.

Das Individuum - also der Mitarbeiter - bekommt eine immer größere Bedeutung zugesprochen. Je mehr der Mitarbeiter selbst weiß, entscheidet und Verantwortung übernimmt, desto mehr ist der einzelne Mitarbeiter der entscheidende Leistungsträger. Das war der Mitarbeiter zwar immer schon, aber in der nicht-agilen Welt haben Führungskräfte einen größere Steuerungseinfluss. Deshalb kpümmern sich agile Unternehmen um das Wohl ihrer Mitarbeiter, ihre Gesundheit, um psychologische Sicherheit, Wertschätzung und nicht zuletzt um Spaß bei der Arbeit. Nicht nur, weil das direkt Einfluss auf höheren Output hat. Es gibt in der agilen Welt auch einen spürbaren Wertewandel. Man spürt viel mehr: "Alles hängt zusammen". Ich kann nicht hier ausbeuten, ohne an anderer Stelle zu bluten.

Wo macht agiles Arbeiten keinen Sinn?

Dort wo das Arbeitsumfeld eben nicht komplex ist, nicht unberechenbar, wo keinerlei Unsicherheit vorherrscht, dort ist Planen genau so sinnvoll wie eh und je. Wo man derart planen kann, kann man auch getroßt die Effizienz steigern, Prozesse optimieren. Da können die klügsten Köpfe Strategien ausarbeiten und Probleme für andere lösen. Aber mal ehrlich: wo gibt es das heute noch? Wo kann ich auf motivierte, mitdenkende Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen verzichten?

Sind Ihre Mitarbeiter reif für agiles Arbeiten?

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Barbara Landers-Schultz
Antwort von Barbara Landers-Schultz
Geschäftsführerin Berlin

Was heißt Agilität? Schnelle Wendigkeit im Umgang mit Unvorhergesehen und schnelle Anpassungsfähigkeit an interne und externe Faktoren. Damit ist ein hohe Anforderung an Selbstorganisation verbunden z. B. in Projektteams. Letzteres wird in meinen Augen häufig übersehen.

Was braucht Agilität als Grundlage? In meinen Augen, Flexibilität in vorhandenen Strukturen. Solange z.B. , pointiert überspitzt,  25 Unterschriften für Budgetfreigaben erforderlich sind, dürfte der Anspruch an "agil" zwar auf der Unternehmensagenda stehen, aber sich praktisch als Illusion entpuppen.

Im Umkehrschluß zeichnet das Vorhandensein von sehr guter Selbstorganisation in High Performance Teams  und Flexibilität in der Unternehmensstruktur agile Unternehmen aus.   

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Lutz Breunig
Antwort von Lutz Breunig
Herausgeber ServiceReport online Landsberg

Was für eine Frage? Agilität war schon immer der entscheidende Faktor für Unternehmen, zielstrebig auf Risiken und Chancen zu reagieren, um ein Geschäftsmodell voran zu bringen. Umso mehr im Zeitalter beschleunigter Digitalisierung. Im übrigen ist ein Unternehmen so agil, wie die Kooperation seiner Mitarbeiter.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Dr. Helmut Steigele
Antwort von Dr. Helmut Steigele
Management-Coach / Berater - Krisenintervention CascadeIT Glattfelden

Halten wir zuerst einmal fest, was Agilität im Grunde bedeutet:

Agilität ist die Fähigkeit eines Systems, auf die sich verändernden äußeren Bedingungen zu reagieren (Adaptation), Ziele zu definieren und zu verfolgen (Goal Attainment), Kohäsion (Zusammenhalt) und Inklusion (Einschluss) herzustellen und abzusichern (Integration) und grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten (Latency) - Definition gem. Talcott Parsons.

Das bedeutet, dass Unternehmen in sich kaum veränderlichem Wettbewerbsmfeld weniger agil im Ueberlebensverhalten zeigen müssen, als in hoch veränderlichem Wettbewerbsumfeld.

Wie agil man sich verhalten sollte, kann durch Einordnung des Wettbewerbsumfeldes nach dem VUCA-Modell abgeleitet werden:

Attribut Beschreibung Empfehlung
Volatility Eine kleine unbekannte Änderung kann die gesamte Entscheidung über den Haufen werfen Entscheide in kleinen Schritten, gehe experimentell und mit begrenztem Risiko vor
Uncertainty Unvollkommene Lagebeschreibung verunmöglicht langfristige Entscheide Such die Kommunikation mit der Front, bleib beweglich, spare Kraft, Rück schrittweise vor, sichere ab, überdenke den Folgeentscheid
Complexity Unkenntnis von Ursache und Wirkungszusammenhängen führt zu fehlerhaften Entscheiden Gehe Etappenweise vor, greif auf bewährte Methoden zurück, passe die Lagebeurteilung ständig an, bevor du neu entscheidest
Ambiguity Ständig wechselnde Prioritäten und Umstände führen zu ständig wechselnden Entscheiden

Sorg für einen "kurzen" Draht zum Entscheider, definiere Etappenziele, denk in kleinen Portionen, aber beweg dich entlang einer "grossen" Kampagne

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Dr. Helmut Steigele

Cover zu Was tun mit der Informatik
Cover zu CIO-Brevier Bd. II - IT-Controlling
Cover zu CIO-Brevier Ernste IT - heiter erklärt
Foto von Christina Calla Schwab
Antwort von Christina Calla Schwab
Geschäftsführerin / Trainerin CALLA CONSULTING Stuttgart

Seit vielen Jahrtausenden verlangt die Evolution von den Lebewesen eine ständige Adaption an die Umwelt - wer dieses Prinzip im Zeitalter der Maschinen und der Digitalisierung beachtet, wird mit dem Thema 'Agilität' keine Probleme haben.

Die erhöhte Geschwindigkeit der Anpassungsprozesse geht einher mit einer höheren Auslastung des menschlichen Arbeitsspeichers im Gehirn.
Unternehmen die daher verstärkt in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, die die mentale Flexibilität und Stärke schulen und die Motivaition durch interessante Aufgaben-stellungen mit eigenem Verantwortungsrahmen hoch halten, werden hier klar im Vorteil sein.

Gleichzeitig wird der konitinuierlichen betrieblichen Gesundheitsvorsorge eine bedeutendere Rolle zukommen, in der die Mitarbeiter in Strategien zur mentalen und physischen Stressbewältigung geschult werden.

 

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Wolf Schumacher
Antwort von Wolf Schumacher
Geschäftsführer Bretzfeld

Agilitität ist ein Begriff aus dem englischen Sprachbereich (agility), der urprünglich aus dem IT Sektor (Projekte der agilen Softwareentwicklung) stammt, jedoch heute auch für moderne Unternehmensführung verwendet wird. 

Es geht um die Beschleunigung von Projekten oder Vorhaben und den dazu notwendigen Verhaltensweisen. Traditionell wurden grössere Vorhaben detailliert geplant, um alle denkbaren zukünftigen Risiken auszuschalten und eine genaue Kosten- und Ertragsrechnung zu ermöglichen. Die entstehenden detaillierten Pläne erwiesen sich jedoch häufig als zu schwerfällig, da sich in der Zwischenzeit wichtige Voraussetzungen geändert hatten und zur Plananpassung führten. Durch die oft eher zentralistische Orientierung der Pläne zeigte sich jedoch meist, dass nicht genügend rasch reagiert werden konnte und ein bürokratischer Apparat entstand. Man denke nur an das Berliner Flugafenprojekt, um sich die Nachteile vor Augen zu führen.

Dem gegenüber steht das agile Vorgehen. Am Anfang eines grösseren Vorhabens steht die Abstimmung einer Vision und/oder Strategie, die die generelle Zielsetzung aller Beteiligten und Betroffenen, den Gesamtumfang und zu erwartende Kosten und Erlöse grob beschreibt. Dann wird eine Umsetzung in Gang gesetzt, die in aufeinanderfolgenden Iterationen (bei agilen sog. Scrum Software Projekten als Sprints bezeichnet) Zwischergebisse erzeugt, die bereits anfassbare Ergebisse darstellen. Abhängig von diesen Zwischenergebnissen wird das Vorgehen kritisch betrachtet, ggf. Angefür folgende Iterationen angepasst und alle Beteiligten werden aktiv vom Stand und den weiteren Schritten und notwendigen Änderungen unterrichtet und verpflichtet.

Der Schlüssel des Erfolges agiler Methoden liegt in der systematischen teamorientierten Kontrolle des Projektfortschritts und der interaktiven Kommunikation aller Beteiligten und Betroffenen.

 

 

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Thomas Walenta
Antwort von Thomas Walenta
Board Director (Aufsichtsrat) Hochschule Darmstadt Hackenheim

Agilität kann als die Fähigkeit angesehen werden, sich an geänderte Bedingungen anzupassen. Der Mensch als Spezie hat diese Fähigkeit und musste sie schon immer verwenden, auch wenn dabei im Einzelfall viele Exemplare nicht überlebten (Kriege, Hungersnöte, Wettereinbrüche, Vulkanausbrüche, Eroberungen). Was sich in letzter Zeit allerdings geändert hat, ist die Geschwindigkeit in der Änderungen der Bedingungen auf uns zukommen, bei gleichzeitiger höherer Komplexität und damit Anfälligkeit unserer Systeme.

Unternehmen müssen sich auf schnellere Änderungen ihrer Rahmenbedingungen einstellen, ohne erkennen zu können welcher Art diese sind. Geopolitische Änderungen, Krisen des Finanzsystems, Digitalisierung, Globalisierung und Generationendifferenzen sind alles Beispiele dafür woher die Änderungen kommen können. Es ist unmöglich, zu prognostizieren, was kommen wird, man kann sich aber generell darauf vorbereiten, in dem man agiler oder besser resilient wird.

Agil für Unternehmen heisst, permanent die Umwelt zu beobachten, mit neuen Dingen zu experimentieren, zu lernen und trotzdem einen übergreifenden Zweck zu verfolgen. Dazu muß man Abstand nehmen vom Diktat der Effizienz, der Kostenreduzierung, der Profitmaximierung und - ausbalanziert - Freiraum für Experimente und Fehler schaffen, in Innovationen investieren, das Netzwerk ausbauen, die Entscheidungen nach unten verlagern.

 

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Erich R. Unkrig
Antwort von Erich R. Unkrig
Inhaber ILOS® Institut für lernfähige Organisationen und Systeme Krefeld

Sei stark in der Vision, aber flexibel im Detail. (Jeff Bezos, Gründer und CEO von amazon)

Agilität ist unsere Fähigkeit, uns schnell und entschlossen zu bewegen. Das erfordert die Fähigkeit, in Zeiten des Wandels ruhig und produktiv zu bleiben, Informationen dort zu suchen, wo sie verfügbar sind, und auf Chancen zu reagieren, auch dann, wenn man nicht über alle Daten verfügt, um alle Risiken zu minimieren. Agilität heißt auch, eine Idee auszuprobieren, um zu sehen, wie sie funktioniert, und sie dann bei Bedarf zu modifizieren oder zu verwerfen.

Der leider weit verbreitete Mythos ist, dass Agilität auf Digitalisierung und agilen Methoden basiert. Aber: Agilität beruht auf der Fähigkeit, Kundenbedürfnisse schnell, adaptiv, kreativ und zuverlässig in Kundenwert zu verwandeln.

Damit Agilität gelebte Praxis und ein Erfolgsfaktor im Unternehmen wird, sind insbesondere folgende fünf Aspekte von entscheidender Bedeutung:

  • Stabilität & Kontinuität
  • Vertrauen & Reflektion
  • Geteilte Vision & gemeinsame Ziele
  • Selbstverantwortung
  • Kundennähe

Wenn diese Faktoren gelebt werden, dann können wir von einem agilen Unternehmen sprechen.

2 Nutzer fanden diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Erich R. Unkrig

Cover zu Resilienzfaktoren im Unternehmen
Cover zu VUCA
Cover zu Mentale Fitness und Agilität ( = Resilienz)  im Unternehmen
Foto von Dr. Jürgen Schüppel
Antwort von Dr. Jürgen Schüppel
Geschäftsführender Partner change factory GmbH München

Ich bin mal auf die Antworten meiner KollegInnen gespannt!

Agilität war zum Überleben und zur Weiterentwicklung von Organisationen schon immer wichtig und bleibt es weiterhin. Das ist nichts Neues. Tofler hat 1970 schon die "flexible Firma", Kirsch ein paar Jahre später die "fortschrittsfähige Organisation" beschrieben".

Interative Prozesse, flache Hierachien und Netzwerke, (Eigen-)Verantwortung, (Selbst-)Organisation, Kundenfokus und Innovation sind dabei schon lange bestens beschriebe Aspekte von Organisationen, die sich im Spannungsfeld von "Stabilität" und "Wandel" sowie "Zentralisierung" und "Dezentralisierung" entwickeln. Und auch immer schon vor der Hintergrund, dass Komplexität nicht "vergewaltigt" werden kann, sondern ein Herantasten und Ausprobieren erfordert. VUCA klingt da halt noch besser.

Alles weitere sind marginale "add-ons" auf diese Aspekte, die mit lautem Marketinggeschrei eine scheinbar neue Management Mode kreieren. Das passiert in etwa 10-Jahres-Zyklen immer wieder neu.

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Dr. Robert Fiedler
Antwort von Dr. Robert Fiedler
Inhaber BNP Paribas - Frankfurt Branch Zwingenberg

"Agil" ist ein im Wesentliche sinnentleertes Management-Modewort.

Der 'agile approach' trat Mitte der Nuller Jahre erstmals in der Software Entwickung auf und war eine Reaktion auf die damals dominierenden Projektplanungstechniken wie die Wasserfall-Methode, welche aufgrund ihrer äusserst detaillierten und unflexiblen Techniken häufiger zu verspäteter  Programmfertigstellung oder gar 'falschen' Softwareergebnissen geführt hatten. Kleine "agile" Gruppen von Entwicklern nahmen sich eigenverantwortlich einen Teil der Gesamtsoftware vor und entwickelten diesen in enger Abstimmung untereinander, aber oft bewusst ohne Abstimmung mit dem Gesamtprojekt. Ob dies im Durchschnitt erfolgreicher als traditionelle Vorgehehensweisen war, ist schwer zu sagen; offenbar fühlte sich jedoch der Zeitgeist getroffen: man übersetzte "agile" nicht unbeding ganz korrekt mit "agil" und hängt es seitdem an die Objekte der Magementlehre (Unternehmen (s.o.), Prozesse, Fühhrung, Zusammenarbeit, etc.).

In diesem Sinne sind "agile Unternehmen" solche, die von irgendjemand als "agil" bezeichnet werden. Üblicherweise sind dies gewünschte Daseinsformen ("unser Unternehmen muss agiler werden"), von denen sich der Bezeichner einen Vorteil verspricht; er brandmarkt z.B. jede Art von Kontrolle als der Agilität abträglich und erhofft sich damit weniger Kontrolle (siehe auch die Mangement-Praktik "Divida et Impera"). Manchmal kann man auch einen Verlust von Grösse oder Bedeutung damit scheinbar positiv uminterpretieren: so könnte z.B ein verantwortlicher Manager der in die Bedeutungslosikeit abgerutschen Firma Netsacape behaupten, man sei nun "wesentlich agiler" geworden (nicht ganz zu unrecht; schliesslich hat man quasi kein Geschäft mehr, um das man sich kümmern muss).

Im grossen Bild schliessen sich mehrere kleine Strukturen zusammen oder werden in größere Strukturen integriert, was eine zentrale Steuerung verlangt. Irgendwann sind diese Strukturen dann so gross und so rigide zentralisiert, dass man ihre Schwerfälligkeit bemängeln kann und mehr Flexibilität fordert.

Über die verwendeten Sprachbilder kann man nur spekulieren: in den 90ern sprach man von Auflösung von Flugzeugträgern in Flotillen klenerer Schiffe; möglicherweise aufgrund des Endes des Kalten Krieges, Wenn man sich heute "agile" Unternehmen wünscht, ist dies möglicherweise eine Reaktion auf akute asymmetrische Kriegs-Konstellationen: kleine Terrorgruppen sind agil: sie schlagen zu und ziehen sich zurück, so dass sogar Supermächte wie die UdSSR oder USA sich langfritig aus Kriegsgebieten zurückziehen müssen.

1 Nutzer fand diese Antwort hilfreich. Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Stefan Guhr
Antwort von Stefan Guhr
Inhaber GUHRCONSULT Bad Aibling

Time-To-Market war immer schon wichtig und Early-Prototyping und Iteration gab es auch schon immer. Agilität ist noch immer mehr ein Modebegriff, der viel zu oft falsch angewendet wird. Insofern ist die Frage etwas unspezifisch. Ich könnte Romane zum Problem wie auch zum Benefit der Agilität schrieben

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Helmut König
Antwort von Helmut König
Inhaber KÖNIGSKONZEPT Münzenberg

Agilität ist ein Merkmal des Managements einer Organisation, flexibel und darüber hinaus proaktiv, antizipativ und initiativ zu agieren, um notwendige Veränderungen einzuführen. Definition nach Wikipedia.

Agilität ist die Qualität einer Organisation, sich reaktiv an sich verändernde Bedingungen anzupassen, kontinuierlich zu lernen und sich als Ganzes weiter zu entwickeln. Definition von Jochen Winter auf der Plattform Think agile.

Warum ist Agilität heute wichtig? Agile Unternehmen schaffen es schneller, sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Unsere Automobilindustrie hat z.B. da im Moment ein Problem mit, weil die Entwicklungszyklen zu lang sind.

Was agile Unternehmen auszeichnet, steht in den beiden vorab genannten Definitionen

 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Helmut König

Cover zu Bildung für 1,9 Mrd.
Cover zu Hart am Limit
Cover zu Geplante Obsoleszenz
Foto von Ralph Dalibor
Antwort von Ralph Dalibor
Inhaber Dalibor.communications Bielefeld

Interessante Fragestellung! Allerdings beeinhaltet sie auch die Unterstellung, dass agiles Arbeiten vor dem Hype nicht so wichtig war. Und genau das ist falsch!

Agilität war schon immer ein wichtiger Bestandteil erfolgreicher Unternehmen. Nur wurde es nicht zu einem Thema gemacht. Seit ein paar Jahren geistert "agil" durch alle Bereich: Agile Führung, agiles Projektmanagement, agile Vorträge, agil ist einfach IN.

Dabei waren Gespräche mit Mitarbeitern schon immer ein guter Maßstab der Unternehmensführung. Früher sagte man: "Wenn Siemens wüßte, was Siemens (die Mitarbeiter) weiß, dann ginge es dem Unternehmen besser!" Rechtzeitige Kommunikation, Gespräche auch außerhalb des jährlichen Zielvereinbarungsgesprächs, immer wieder den Kontakt suchen, in Projekten nicht erst dann kommunizieren, wenn das Projekt am Ende gescheitert ist, sondern sobald eine Änderung oder ein Problem auftaucht, all das zeichnete schon früher erfolgreiche Unternehmen, Manager und Mitarbeiter aus. Da war "agil" noch gar kein Thema. Deshalb ist Scrum so sinnvoll. Durch "Daily-Scrum" oder "Sprint-Review" wird Kommunikation in einem Projekt, also auch die Zusammenarbeit, entsprechend gelenkt. Fehler könen so früzeitig erkannt und deshalb "ausgebügelt" oder sogar vermieden werden. Vorausgesetzt, ALLE am Projekt beteiligten Menschen KÖNNEN kommunizieren. Daran hapert es immer noch gewaltig. Noch immer ist das Scheitern eines Projektes in zwei von drei Fällen auf schlechte oder mangelnde Kommunikation zurückzuführen. Wer also "agil" wirklich erst nimmt, schult seine Mitarbeiter deshalb im Bereich "Kommunikation". Ansonsten nutzt agil recht wenig.

Letzlich ist es gut, dass dieser Trend Menschen, Unternehmen wieder dazu bringt, selbst zu denken, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und dadurch frühzeitig Schaden abzuwenden. Und wenn es jemanden glücklich macht, das alles "agil" zu nennen, dann soll es mir recht sein!

 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

1 passende Publikation von Ralph Dalibor

Cover zu Corporate Citizenship - Tue Gutes und rede darüber
Foto von Dr. Wolfgang Schlaak
Antwort von Dr. Wolfgang Schlaak
Inhaber, Geschäftsführer WADS Consulting Halstenbek

Agilität ist wichtig, wenn Kundenwünsche und somit die Märkte sich verändern. Agile Unternehmen reagieren schneller und wissen eher, ob es sich lohnt, die Kundenwünsche erfüllen zu können. 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Wolfgang Dorst
Antwort von Wolfgang Dorst
Managing Partner ROI Management Consulting AG München

Fluktuierende Märkte, volatile Kundenanforderungen, digitale Kundenbeziehungen zusammen mit immer kürzeren Produktzyklen bei wachsender Anzahl von Produktvarianten mit kleinen Losgrößen bis zum Unikat müssen von Unternehmen wirtschaftlich bewältigt werden. Um diese Herausforderungen positiv, d.h. als Entwicklungschancen optimal zu nutzen, sollten Unternehmen ihre Geschäftsmodelle grundsätzlich überdenken, ihre Unternehmenskultur auf den Prüfstein stellen und ihren Aktionsradius über den etablierten Wettbewerb hinaus erweitern. 

Hierzu tragen moderne – agile – Ansätze zur Produktentwicklung aber auch zur Mitarbeiterführung bei. In modernen Arbeitsumgebungen, wie beispielsweise Coworking Spaces zur Verbesserung der bereichsübergreifenden Prozesse, können einzelne Mitarbeiter aber auch Führungskräfte die neuen Rollen, Verantwortlichkeiten, Arbeitsweisen, Strukturen und Werkzeuge gemeinsam umsetzen. Es ist also mehr als nur die Anwendung von Methoden – aber Lean Management (Kanban) und agile Methoden (Scrum) unterstützen bei der Veränderung. 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Wolfgang Dorst

Cover zu Kompendium Industrie 4.0
Cover zu Kompendium Digitale Standortpolitik
Cover zu Industrie 4.0
Foto von Silka Strauss
Antwort von Silka Strauss
Eigner STRAUSS MEDIATION München

Agilität bedeutet Wendigkeit, kurzfristiges reagieren auf sich verändernde Märkte. Unternehmen müssen expandieren, um weiter bestehen zu bleiben. Stillstand ist "tödlich". 

In der Wirtschaft, in den Organisationen, geht es um schnelles und flexibles Reagieren auf jetzige Marktveränderungen und auf in der Zukunft mögliche. 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Dr. Mario Buchinger
Antwort von Dr. Mario Buchinger
Inhaber Buchinger | Kuduz Achenkirch

Das, was man heute gerne als Agilität bezeichnet, war schon immer wichtig, denn es heißt ja nichts anderes als die Fähigkeit, sich und das eigene Umfeld schnell und strukturiert zu verändern, falls dies nötig ist.

In den vergangenen Jahren hat sich die Geschwindigkeit, mit der sich ein Umfeld verändert, deutlich erhöht. Dies hängt damit zusammen, dass wir mittlerweile in einem Datenzeitalter leben. Dies ist eine Epoche, in der Daten ein Wirtschaftsgut sind und sich weltweit mit nahezu Lichtgeschwindigkeit verbreiten können. Damit haben Kunden jederzeit ein Übermaß an Informationen und vor allem auch Fehlinformationen. Diese ständige Verfügbarkeit an einem Informationsüberfluss führt unweigerlich zu einem immer unvorhersehbareren Verhalten von Kundengruppen, da es mehr Interaktionen zwischen verfügbaren Informationen und der eigenen Lebenswahrnehmung der Realität gibt.

Agile Unternehmen zeichnet aus, dass sie

  • stets die Kundenwerte (nicht die Lösungen!) der Gegenwart und auch der Zukunft verstehen,
  • den Status Quo im Kontext der Kundenwerte ständig hinterfragen,
  • Fehler und Abweichungen als Lernpotential sehen und nicht als Makel,
  • alle Menschen bei der Veränderung mitnehmen, indem diese die Möglichkeit haben, ihr Umfeld zu gestalten.

Kurzum: Agile Unternehmen sind diejenigen, die von Unternehmern geführt werden und nicht von Managern.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

1 passende Publikation von Dr. Mario Buchinger

Cover zu Unternehmensprofil Buchinger | Kuduz


Weitere Fragen zum Thema Agilität