Wie wird der Betrieb einer Photovoltaikanlage besteuert?

2 Expertenantworten: Foto von Prof. Dr. Norbert Krawitz Foto von Michael Dagit

Antworten:

Foto von Prof. Dr. Norbert Krawitz
Antwort von Prof. Dr. Norbert Krawitz .
Hochschullehrer Universität Siegen Siegen

Der Betrieb einer Photovoltaikanlage mit Stromverkauf stellt einen Gewerbebetrieb dar. Getätigte Umsätze aus dem Stromverkauf sind grundsätzlich umsatzsteuerbar; ob eine Umsatzsteuerpflicht vorliegt, richtet sich vor allem nach der Höhe des Umsatzes, die Umsatzsteuer-Zahllast auch von der Höhe der sog. Vorsteuer., Die erzielten Ergebnisse (Gewinne) unterliegen prinzipiell den Ertragsteuern (Gewerbesteuer, Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer). Die Besteuerung im Detail hängt vor allem von der Größe der Anlage bzw. des Betriebes sowie von der gewählten Rechtsform ab.

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

Foto von Michael Dagit
Antwort von Michael Dagit .
Geschäftsführender Gesellschafter WOTAX Steuerberatungsgesellschaft mbH Aachen

Aus der Fragestellung schliesse ich, Sie meinen eine Anlage auf Ihrem ansonsten "privat" genutzen Gebäude (max. 10 kWp). Für diesen Fall schon vorab ein wichtiger Tipp: KEINE Gewerbeanmeldung vornehmen, da für den Betrieb dieser Anlage nach dem Gesamtbild kein unternehmerischer Geschäftsbetrieb erforderlich ist. Die Gewerbeanmeldung löst ansonsten noch Pflichtbeiträge zur IHK aus, die sich so ggf. umgehen lassen.

Speissen Sie mehr als 50% des erzeugten Stroms in das Netz ein, besteht Umsatzsteuerpflicht. Haben Sie im Erstjahr weniger als 17.500 EUR Umsatz (Folgejahr weniger als 50.000 EUR), können Sie die Kleinunternehmerregelung beanspruchen. Das wird möglich sein, ist aber fast immer nicht zielführend. Verzichtet man auf diese Regelung, kann man die Ihnen in RFechnung gestellte Umsatzstsuer als "Vorsteuer" vom Finanzamt zurückbekommen. Das Finanzamt tritt also so gesehen mit einer erheblichen Erstattung in Vorleitung. Dafür wird für Ihre laufenden Einnahmen Umsatzsteuer abgeführt.

Der Gewinn aus der Anlage ist auch einkommensteuerpflichtig. Der Gewinn wird in einer Einnahme- Überschußrechnung ermittelt. Grob vereinfacht Umsatz minus Kosten = Gewinn. Die Anlage selbst fällt aber nicht im Investitionsjahr zu 100% in die Kosten, sondern wirkt sich in Höhe der Abschreibung aus. Das Finanzamt unterstellt hierbei eine "betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer" von zur Zeit 20 Jahren ( Position 3.1.6 der amtlichen AfA-Tabellen). Somit wirken sich in jedem Jahr 5% der Anschaffungskosten steuermindernd aus.

Laufende Betriebskosten können Sie Jahr für Jahr absetzen. So, wie sie gezahlt werden.

 

Da es sich um deutsches Steuerrecht handelt, hat die Sache natürlich einen Haken. Irgendwann muß sich die Anlage auch steuerrechtlich rechnen. Verluste aus einer Anlage, die nach steuerrechtlichen Gesichtspunkten ermittelt werden, sind schön, da dies beim Vorhandensein von anderen Einkünften zu einer insgesamt geringeren Steuerlast führen kann. Das Finanzamt kann hier aber "Liebhaberei" vermuten, Ihnen also die Absicht, hieraus Gewinn zu erzielen, absprechen. Um dies zu prüfen hat die Finanzverwaltung die Totalgewinnprognose erfunden. Spätestens an dieser Stelle sollten Sie mit einem Steuerberater Ihrer Wahl sprechen.

Und wie immer im Leben: Etwas allein aus steuerrechtlichen Gründen zu tun ist noch nie (dauerhaft) gut gegangen.

 

Loggen Sie sich ein um diese Antwort als hilfreich zu markieren.

3 passende Publikationen von Michael Dagit

Cover zu Aus den GDPdU werden GoBD
Cover zu Wer den Pfennig nicht ehrt....
Cover zu Betriebsprüfung: Herr Müller in Not


Weitere Fragen zum Thema Unternehmenssteuerrecht