Wie kann Innovation auch in noch kleinen Unternehmen gefördert werden?

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Antwort von Sabine Hauswirth
Inhaberin Sabine Hauswirth Consulting, Rosenheim

Grundsätzlich denke ich, hat jedes Unternehmen unterschiedliche Strukturen und somit auch unterschiedliche und individuelle Herangehensweisen an Innovations-Prozesse. Es gibt viele Unternehmen, wo mit dem Begriff der Innovationn noch gar nichts angefangen werden kann, in anderen Unternehmen ist Innovation wie das tägliche Zähneputzen und somit Alltag.

Der immer höher werdende Veränderungs-Druck jedoch benötigt immer höhere Anpassungsgeschwindigkeit und Flexibilität. Deshalb definiere und sehe ich den Umgang mit Change Management auch neu.Change Management beinhaltet für mich zugleich Innovationsmanagement.

Wandel 1.Ordnung (evolutionärer Wandel) und Wandel 2. Ordnung (Change) werden zukünftig ineinanderfließen und nicht mehr wirklich voneinander unterscheidbar sein. Dies benötigt Training für adaptiv-situative Anpassung sowie Innovationsdenken und entsprechende Umsetzungsgeschwindigkeit. Dies wird durch Einzelmaßnahmen und Steuerungsprozesse begleitet werden, um als laufenden Prozess im Unternehmen zu installieren und zu betreuen. In größeren Unternehmen wird dies dann den Corporate Think Tank erzeugen, wenn man das möchte.

Für kleine und große Unternehmen gilt: Um schnellere Umsetzung zu erreichen, benötigt es holistisches Lernen & Training. Um Change-Programme entsprechend auch der ständig neuen Anforderungen für Change-Prozesse besser anpassbar zu machen, habe ich mich an der Reform des finnischen Schulsystems orientiert, das sowohl Motivation als auch Lernen über sogenannte “Phänomene” und “Topics” löst (Phenomenon Based Learning / PhenoBL). So könnten dann auch entsprechende Einheiten, Trainings-Stationen und was in der jeweiligen Unternehmensgröße machbar ist, im Unternehmen installiert werden, um solche durchaus alltagstauglichen Trainings zu bieten.

Meine Empfehlung ist, wenn Innovation noch nicht alltäglicher Bestandteil im Unternehmen ist, Althergebrachtes grundsätzlich zu hinterfragen und dann auch damit zu brechen. Ich nenne das auch in diesem Zusammenhang nicht „Rulebreaking“, sondern „Upcycling“, entsprechend der Design-Methode und in meiner weiter gefassten Method 'U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing', was nichts Anderes meint, als Innovation mit Gefühl & Sinn (im Englischen interessanterweise ein Wort = SENSE) zu betreiben: Bestehendes nutzen, Nicht-mehr-Funktionierendes weglassen und etwas vollkommen Neues, auch Abwegiges hinzu gestalten (Innovation). Und das mit SENSE.

Das bedeutet im Umkehrschluss: nicht immer den alten Stiefel, selbst wenn er noch so erfolgreich aktuell noch läuft, fahren, sondern hier bereits über eine zukünftige Veränderung/Innovation/Upcycling nachdenken. Diesen Prozess sehe ich am allerbesten an, wenn man seinen Mitarbeitern Zeit & Raum anbietet, Flexibilität und vernetztes Denken zu trainieren und dadurch Innovations-Fähigkeit und Innovations-Kraft zu erzeugen (IFG-Training). Dies funktioniert nur, wenn Mitarbeiter entprechend geschult, wenn sie wertgeschätzt werden und wenn sie auch mal Fehler machen dürfen.

Nur dann besteht man im Wettbewerb. Die Innovation in großen Unternehmen oder Konzernen läuft sicherlich anders ab, hier habe ich auch definitiv keinen Einblick. Aber mein Ansatz, auch aus eigener Erfahrung mit vollkommener Um-Modellierung meines eigenen Geschäftsmodells vor ein paar Jahren, geht in die Richtung, dass die Mitarbeiter die 'Schatzkiste' und die 'Schatzkammer' darstellen - und sie als Treasure oder Treasury Value angesehen werden. Aus diesem Treasure Value sehe ich zukünftige Innovation, Innovations- und Umsetzungs-Geschwindigkeit in einem laufenden Prozess.

Die ganz wesentlichen Punkte hier sind, Probleme generell bei Geschäftsmodellen zu beseitigen, weil man ansonsten durch zu langes Anhaften an 'alte Zöpfe' dann womöglich von der Hase-Igel-Strategie anderer innovativer Geschäftsmodelle überrannt werden:

  1. die bestehenden, veralteten Verhalten, sei es bei Veränderungsprozessen, gewohnten Workflows oder Vorgehensweisen bei Beratung (auch: Unternehmensberatung), zu hinterfragen und zu verändern (Behavioral Change)
  2. die Reduktion der größten Kostenfaktoren oder -kategorien, die es nicht zwingend benötigt - dafür Investition in Mitarbeiter und Innovation (cost reduction & invest-in-innovation )
  3. die negativen Auswirkungen bei Nicht-Veränderung bestehenden Verhaltens auf das (aktuelle, wenn auch gut gehende ) Produkts / der Dienstleistung (Sustainability Effects) - also Nachhaltigkeit im Sinne der Basis-Definition von Nachhaltigkeit, zu eruieren
  4. sehr hohe Risiken, Kunden an Wettbewerber zu verlieren, herauszufinden (Risk Management Innovation)
  5. unmotivierte, desinteressierte, unflexible Mitarbeiter verabschieden  oder neu motivieren: wertschätzen,  entsprechend für IFG (Innovations-Handeln, Flexibilität, Geschwindigkeit) zu trainieren oder sich von ihnen zu verabschieden, wenn Programme nicht greifen und anstatt dessen Talente an Bord zu holen (Estimee & Talent Management)
  6. entsprechendes Employer Branding zu betreiben, das Mitarbeiter mit Zukunfts-Skills wie kritisches Denken, Kreativität und das Lösen komplexer Aufgabenstellungen anzieht. Daraus entstehen Innovation und Wachstum aus den Mitarbeitern heraus und somit aus dem Unternehmen heraus (Treasure Value)
  7. Innovations- und Wachstums-Prozesse miteinander verbinden: Innovationsfaktor x speed of implementation = Treasure Value (Schatzkiste Mitarbeiter ist die Innovations-Treiberin)
  8. das Thema Lifelong Work als Chance zu begreifen: Arbeit neu definieren (New Work), Arbeits- und Lebenszeit neu gestalten (Lifetime Design) und weg von der 40-Stunden-Woche, Job-Sharing anbieten und verschiedene Arbeitszeit-Modelle anbieten: so können dann Mitarbeiter im Unternehmen bleiben, wenn Regelarbeitszeit eigentlich vorbei ist, aber dank demographischem Faktor kein Nachwuchs mehr kommt. Denn alles kann auch mit künstlicher Intelligenz ersetzt werden - es wird Innovation und Kreativität als lebenslanger Prozess im Unternehmen Bestandteil sein, der nicht von künstlicher Intelligenz (AI) geschaffen werden kann. Noch nicht.
  9. immer auch nach zusätzlichen Potenzialen (Satelliten) schauen, die aus dem Unternehmen heraus zu Einkommen und zu Innovation führen können. Das Kerngeschäft oder die Haupt-Einnahmequelle muss dabei klar definiert und als Fokus (Core) bestimmt sein.

Das mag sich vielleicht für ein kleines Unternehmen schon zu komplex anhören - ist es aber im Prinzip nicht. Es ist lediglich eine neue Herangehensweise an das Überdenken alter Prozesse und deren Transformation in neue Prozesse im Zeitalter digitaler Transformation.

Jedes Unternehmen ist unterschiedlich – dadurch wird jedes Unternehmen vollkommen individuelle Rahmenbedingungen für Change Management, Innovations-Kultur und dem Training von Mitarbeitern benötigen. Deshalb nenne ich diese Individualität des Rahmens auch “Design on Frame” – also die Definition eines Rahmens, dessen Inhalt dann vom Unternehmen selbst und je nach individuellen Machbarkeiten gestaltet wird. Auch hier werden Topics gemeinsam erarbeitet, die ganz unterschiedlich, je nach Unternehmen, aussehen können.

Wenn die Schatzkiste im Unternehmen gefördert wird, kann daraus Innovation & Wachstum par Excellence entstehen. Und Anpassungs-Geschwindigkeit. Wer kennt ein Unternehmen nicht besser als die eigenen Mitarbeiter? Der Corporate Think Tank ist ideal, um Innovation und Change als laufenden Prozess zu installieren. Im kleinen Unternehmen sind das dann einfach nur die fitten Mitarbeiter, die aber nicht auf ständiges Dauer-Funktionieren, sondern auch auf New Work Rahmenbedingungen wie kleine Pausen für Relax, Abwechslung und neue Arbeitszeitmodelle zurückgreifen können. Denn nur so bleibt der Mensch auch gesund.

Und noch etwas: Anstatt Frauen immer nur von Außen in Führungs-Positionen zu holen oder überhaupt nur in Führungspositionen zu fördern: generelle Frauen-Förderung als Bottom-Up-Förderung und insbesondere 50/50-Teilhabe einzuführen ist nicht nur für das Unternehmen wert-voll, sondern auch gesellschaftspolitisch wichtig und längst an der Zeit umzusetzen. Die Schatzkiste zu heben PLUS eine generelle Bottom-up-Frauenförderung sehe ich als idealen Corporate Think Tank an. Und als Wachstums-Motor für die Zukunft.Dass dadurch auch zugleich ideales Employer Branding der Zukunft gestaltet wird, benötigt allerdings noch etwas Überzeugungs-Arbeit.

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Antwort von Dr. Michael Knieß
Referatsleiter Wirtschaftsförderung Dr. Michel Knieß, Berlin

Die Fähigkeit, kreativ zu sein und damit neue Lösungen zu finden, ist nichts Mystisches, sondern ein Handwerk und erlernbar.

Unternehmensbezogene Maßnahmen können gerade auch in kleinen Unternehmen diesen Prozess unterstützen. 

Hierzu zählen z.B.:

Verbesserung des Arbeitsklimas: Kreative Atmosphäre ist auch bei gruppenbezogener Ideensuche wichtig. 

Verbesserung des Führungsverhaltens:Führung unter dem Motto „Freiheit unter Verantwortung“. Mehr Anerkennung neuer Ideen durch die Vorgesetzten. 

Kreativitätssteigerung durch Verbesserung der Aufbau- und Ablauforganisation: 

• Die Organisation sollte für neue Ideen durchlässig, offen sein. 

• Minimierung bürokratischer und standardisierter Abläufe. 

• Permanentes Infragestellen des Bestehenden. 

• Weniger Komitees und Arbeitsausschüsse, die oft neue Vorhaben zerreden.

• Günstige Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsplatzsicherheit.

Kreativitätssteigerung durch Förderung der Mitarbeiter/inen

 

Wichtig ist zudem, dass das kreative System von oben bis unten auch so gelebt. Dabei ist die Gewährleistung der richtigen Mischung aus Systematik und Chaos, aus Freiräumen und Kontrolle, also Widersprüchliches, ein idealer Nährboden für Kreativität.

Der Einsatz einfacher Kreativitätstechniken kann die Ideenfindung auch bei kleinen Unternehmen gut unterstützten.

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