Welche Rolle spielt die Mediation im Familienrecht?

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Antwort von Marco Utsch
, München

Die Mediation ist ein freiwilliges außergerichtliches Verfahren, um Streitigkeiten der Eheleute vermittelnd zu lösen. Die Eheleute haben sich dazu auf einen Mediator, in der Regel ein Fachanwalt für Familienrecht, der eben die Zusatzqualifikation zum Mediator erworben hat, zu einigen. 

Der Mediator versucht anschließend den Streit zu lösen und nimmt eine unabhängige Position ein, ist daher weder der Anwalt des einen, noch des anderen. Auch die ggf. eingeschalteten Anwälte der Eheleute sind nicht direkt beteiligt. 

 

Meiner Erfahrung nach ist das ein durchaus sinnvolles Verfahren, wenn die Verhandlungssituation festgefahren ist, jahrelanger Streit vor Gericht droht, um diesen Knoten zu lösen. 

 

Im Übrigen kann jeder der Beteiligten das Mediationsverfahren ablehnen oder abbrechen, wenn es nicht zielführend erscheint. 

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Antwort von Miriam Möller
Rechtsanwaltskanzlei Möller, Tönisvorst

Mediation spielt im Familienrecht eine - wenn auch manchmal unbemerkt - große Rolle. Vor allem in der Trennungssituation, der häufigsten Quelle für familienrechtliche Probleme, ergeben sich oft viele verschiedene zu lösende Einzelstreitfragen, die formell juristisch auch nur in einzelnen Verfahren gelöst werden können. Die Mediation hingegen bietet die Möglichkeit, alle Streitfragen einheitlich zu lösen und in diesem Zusammenhang auch gerade Chancen für Lösungswege, die sich sonst nicht ergeben hätten. Dies liegt vor allem daran, dass die Prioritäten der Partner bei den verschiedenen Streitfragen ganz anders liegen, so dass einer in einem Punkt nachgiebiger sein kann und der andere in einem anderen, was am Ende zu einem für beide zufriedenstellenden Ergebnis führt. Gerichtsverfahren können dies nicht leisten, weil sie an die gesetzlichen Verfahrensordnungen gebunden sind und jede Streitfrage einzeln für sich lösen müssen. 

Ein guter Familienrechtsanwalt ist insoweit auch dann oft unbemerkt mediativ tätig, wenn er nur einen Partner vertritt. Denn er erkennt durch Befassung mit der Gesamtsituation seines Mandanten dessen persönliche Prioritäten und kann vor diesem Hintergrund zu Verhandlungen steuern, die eine Gesamtlösung bieten und seinem Mandanten in den für ihm oder ihr wirklich wichtigen Punkten den erhofften „Erfolg“ bringen. 

Auch der Gesetzgeu hat diese Möglichkeiten der Mediation bereits erkannt und deshalb in der Verfahrensordnung der Familiengerichtsbarkeit ausdrücklich die Möglichkeit der Unterbrechung eines laufenden Gerichtsverfahrens und der Durchführung einer richterlichen oder gerichtsnahen Mediation vorgesehen. Leider steckt dies in der Praxis aber noch in den Kinderschuhen. Eine echte Mediation kann selten  in nur einer Sitzung zu einem umfassenden Endergebnis führen. Außergerichtlich wird die Mediation zudem leider nicht finanziell gefördert bzw. unterstützt und steht deshalb nur finanzstarken Menschen zur Verfügung. Die Konstruktion von Beratungs- und Verfahrenskostenhilfe als staatlicher Unterstützung für rechtliche Beratung - welche leider von einem Großteil getrennter Familien in Anspruch genommen werden muss - sieht nur die unmittelbare Einleitung eines streitigen Gerichtsverfahrens für jedes Einzelproblem und eben nicht die aussergerichtliche umfassende Verhandlung verschiedener streitiger Problemkreise vor.

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Antwort von Silka Strauss
Eigner STRAUSS MEDIATION, München

Hallo,

wenn nach dem Begriff  "Familienrecht" gesucht wird, taucht in diesem ZUsammenhang das Wort MEDIATION auf. Mediation ist die preisgünstigere und schnellere Alternative in einem Scheidungsprozess. Die Mediatorin ist eine allparteiliche Vermittlerin zwischen den Parteien.

Die Medianten erarbeiten gemeinsam ein Memorandum oder eine rechtsverbindliche Abschlussvereinbarung. Die Mediatorin leitet den definierten Prozess, achtet auf den Inhalt, die Form und die Wortwahl. Nur wenn die Parteien mit den Ergebnissen einverstanden sind, wird der Vertrag schriftlich fixiert und von den Medianten unterzeichnet. Der Vorteil ist, dass die Vereinbarung über Jahre "hält".

Für mich bietet die Mediation die Möglichkeit, dass die Medianten wieder zu einer gemeinsamen, nicht verletzenden Sprache zurückfinden. Verletzungen können, in Gegenwart der neutralen Mediatorin, leichter angesprochen, die verletzenden Aktionen und Reaktionen hinterfragt und aufgeklärt werden. Ich erkläre und übe mit den Medianten Kommunikationsregeln: "Alles sagen können, ohne zu verletzen".