Reichen digitale Formate zum Wissenstransfer in Organisationen aus?

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Antworten:

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Antwort von Ulrike Winzer
Münster

Ein klares Nein.

Das Format des Wissentransfers muss zum Lernenden passen! Ein Mensch, der absolut online affin ist, wird schnell von einem digitalen Format begeistert sind. Ein Mensch, der den persönlichen Kontakt bevorzugt, wird sich mit E-Learning sehr schwer tun.

Hinzu kommt die inhaltliche Thematik. Körpersprache, Präsentationstechnik u.ä. lassen sich kaum rein digital abbilden (zumindest noch nicht):

Daher aus heutiger Sicht: nein.

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Antwort von Christian Keller
Geschäftsführer ck2 Beratung für Wissensmanagement Bielefeld

Nein! Wissen entsteht beim Empfänger (Nutzer der digitalen Information!) nur, wenn er die zur Verfügung gestellte Informationen in seinen Erfahrungskontext einbauen kann. Das kann bei einigen Wissensaspekten gut gelingen. Je komplexer die Zusammenhänge jedoch werden und je ausgeprägter die Erfahrungskontexte zum Verstehen der Informationen sein müssen, immer weniger. In Abhängigkeit vom Wissensaspekt ist immer wieder neu zu überlegen, was die geeignete Transfermethode darstellt. Und hier können kommunikative Transferformate wie Schulungen oder Mentoring eine deutlich geeigneter Wahl sein.

Wer mehr erfahren möchte, schreibt mir eine Mail an keller@synartIQ.de

 

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1 passende Publikation von Christian Keller

Cover zu Wissensmanagement
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Antwort von Dana Arzani
Geschäftsführer DANA ARZANI®– STRATEGIEN FÜR ERFOLGREICHEN KUNDENKONTAKT Nürnberg

ARBEIT 4.0,
DIGITALE TRANSFORMATION, NEW WORK – SO HÄNGT ES ZUSAMMEN

Ohne digitale Transformation gibt es keine Arbeit 4.0.
New Work braucht digitale Technologien, um Freiheit in der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Durch die technischen Möglichkeiten der digitalen Transformation haben wir eine zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität gewonnen, die so bisher in der breiten Gesellschaft schlichtweg nicht möglich war. Theoretisch und praktisch kann jeder Computer an jedem Ort zu jeder Zeit zum Arbeits- platz werden. Daher verändern sich Arbeitsräume und Unternehmensstrukturen zur Arbeitswelt 4.0. Die Grundwerte, die das Ganze zusammenhalten sind Selbstständigkeit, Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft.

Diese Themenbereiche haben einen gesamtgesellschaftlichen Kontext. Uns geht es um das, was wir aktiv gestalten können, um berufliche Weiterbildung in Unternehmen allgemein und auch in unserem Unternehmen.

Es geht explizit nicht um eventuell nötige gesetzliche Rahmen- bedingungen, nicht um Politik, nicht um Bildung und Erziehung an Schulen, nicht um gesamtgesellschaftliche Themen.

Weiterbildung ist aus meiner Sicht ein wichtiger Hebel, wenn es darum geht, die Arbeitswelt zu gestalten, z.B. die Kommunikation mit dem Kunden zu optimieren. Aus unseren Beratungen und Trainings wissen wir, dass diese Einsicht noch nicht in allen Unternehmen vorhanden ist. Und selbst wenn es so ist, fällt die Umsetzung der Einsicht in Strategien und konkrete Handlungsansätze oft schwer, besonders kleinen und mittleren Unternehmen.

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Cover zu Weiterbildung 4.0
Cover zu MOMENTE DER WAHRHEIT - BLOG
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Antwort von Dr. Denis Basak
Akademischer Rat Frankfurt (Main)

Die Frage ist sehr allgemein gestellt und daher nicht leicht zu beantworten. Rein technisch und wenn es ausschließlich um die Verwaltung von und den Zugriff auf Informationen als solche geht, sollte dies auf jeden Fall ausreichen. Die Frage ist aber, wie wichtig die Authentizität der Quellen ist. Für wissenschaftliche Zwecke etwa genügen nachvollziehbare Hinweise auf Quellen sowie ggf. digitale Abbilder derselben (etwa als Scans oder PDF-Dateien), die in irgend einer Form eingebunden oder referenziert werden können. Gleiches gilt häufig auch für praktisch alle Arten interner Dokumente.

 

Schwierig wird es, wenn Originale körperlich wichtig werden, also z.B. belaubigte Unterschriften, Siegel etc. Es kommt dann darauf an, ob hier eine digitale Kopie mit einem Hinweis auf einen zugreifbaren Standort des Originals als ausreichend angesehen wird oder nicht.

 

Wenn es tatsächlich nur um inhaltlichen Wissenstransfer geht, ist das Medium nicht wichtig, sondern nur die Übermittlung der Inhalte - dafür sind digitale Systeme i ihrem Kern gemacht worden und auf jeden Fall geeignet. Wenn es um mehr als niedergelegtes Wissen geht - etwa durch Imitation und Übung erlernte Fähigkeiten - sind digitale Systeme ungeeignet, dann braucht man körperliche Gelegenheit zum Zeigen und Üben (das gilt fürs Autofahren genauso wie fürs professionelle Kochen oder die Durchführung von minimalinvasiven Herzoperationen).

 

Wenn es innerhalb der Organisation und auch an den Schnittstellen nach außen genug gegenseitiges Vertrauen gibt, dass man auf Beglaubigungen und eigenhändige Paraphen verzichten kann, kann man fast alles digitalisieren. Eine gesonderte Frage bleibt natürlich die Sicherheit vor digitalen Angriffen aller Art - aber die war hier wohl nich direkt gestellt und sie ist ein Thema für sich.

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Cover zu Juristische Themenarbeiten
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Antwort von Prof. Dr. Klaus Kornwachs
Hochschullehrer Büro für Kultur und Technik Argenbühl

Die Frage enthält bereits ein Mißverständnis: Digitale Formate übermitteln Information, kein Wissen. Zum Wissen gehört der Verstehensprozess, also Sehen, Hören, Lesen, Aufnehmen und Einordnen in das, was man schon weiß. Das kostet Zeit, und dieser Ustand wird gern vergessen. Wissen bildet sich in Organsiationen nicht nur durch Informationsaustausch und Verstehen, sondern auch durch Erfahrung und Beobachtung. Dazu gehört auch das implizite Wissen, d.h. die Weitergabe von Fertigkeiten durch Beobachten, und Nachmachen. Dieser Wissenstransfer ist weder durch emails, Plattformen, Clouds oder Expertensysteme zu erreichen, sondern nur durch Mensch-Mensch-Interaktion.

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Antwort von Günter Polhede
Stemwede

Wissen besteht aus vielen Informationen. Diese stammen oft aus der natürlichen Umwelt, wo sie meistens in analoger Form auftreten.

Menschen können sich Informationen aneignen und versuchen, diese als Wissen in Erinnerung zu behalten.

Mit zunehmender technologischer Entwicklung können Informationen in digitale Form umgewandelt werden. Dazu bedarf es der Sensortechnik zur Erfassung der analogen Werte sowie der Technik zur Umwandlung analoger Werte in digitale Werte. Je genauer die analogen Werte in digitaler Form dargestellt werden sollen, desto mehr digitale Daten sind erforderlich. Die digitalen Daten können gespeichert, verarbeitet und verwertet werden.

Digitale Daten können u. a. folgenden Zwecken dienen:

- der Speicherung für die Zukunft

- der Kommunikation

- dem Spielen

- der Unterhaltung

- der Ausbildung, Bildung, Forschung und Entwicklung

- zur Steuerung und Regelung der Bereitstellung von Rohstoffen und Energie

- der Steuerung und Regelung der Herstellung von Produkten

- der Realisierung der Logistik für alle Marktelemente von der Produktidee über die 

  Produktherstellung bis zur Kundenbetreuung und zur Entsorgung

- zur Realisierung der Finanzmärkte

Am Anfang des Wissenstransfers stehen oft analoge Werte aus der belebten oder unbelebten Natur.

Der Wissenstransfer setzt das Vorhandensein von Sensoren voraus, mit denen analoge in digitale Werte umgewandelt werden können.

Die Komplexität der technologischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung setzt bei der Vielzahl der diese Entwicklung begleitenden Informationen die digitale Form voraus. Das bedingt auch den digitalen Wissenstransfer.

Der digitale Wissenstransfer findet über verschiedenste Stationen oder Organisationsteile statt. Dabei ist es wichtig, die Abgabe und die Aufnahme von Informationen so zu realisieren, dass es nicht zur Verfälschung von Daten kommt.

Am Ende des Wissenstranfers steht oft der Mensch, der industrielle und konsumtive Produkte durch sein Denken und Entscheiden oft in analoger Form bewertet und damit über Akzeptanz, Kauf oder Konsum entscheidet.

Die Inseln digitaler Daten und digitalen Wissens werden zunehmend verknüpft. Der innerhalb solcher Inseln stattfindende digitale Wissenstransfer ist meistens in analoge Quellen und analoge menschliche Entscheidungen der Verwertung eingebunden.

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Antwort von Ralph Dalibor
Inhaber Dalibor.communications Bielefeld

Nein! Reines E-learning ist nur in sehr begrenzten Situationen wirklich sinnvoll. Selbst in der Fahrschule lernen die Fahrschüler zusätzlich zu den digitalen Infoebenen auch über Präsenzunterricht. Und durch Zuschauen. Schon Babys lernen durch zuschauen, kopieren, begreifen (im wahrsten Sinne des Wortes = anfassen) und erst später kommen rein mentale Lernsituationen hinzu. Wie sollte ein rein digatels Format die emotionalen Ebenen des Lernen abilden? Aus meiner Sicht geht das nicht.

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Antwort von Dr. Wolfgang Karrlein
Geschäftsführer der canmas business learning & consulting GmbH München

Für digitale Formate gibt es durchaus sinnvolle Anwendungsfälle. Solange es um stabile Inhalte, also um reine Fakten beziehungsweise unveränderliches Wissen geht, haben sie ihre Berechtigung. Sobald es aber komplexe, vor allem intra- und interpersonelle Themen wie Selbstmotivation, Feedback oder Verhalten in Konfliktsituationen betrifft, kann sich eine Digitalisierung des Lernens negativ auswirken.

Das größte Dilemma stellt dabei die Selektion der zu vermittelnden, also der in das digitale Format zu kodierende Inhalte dar: Hier muss eine Auswahl stattfinden, da sonst die schiere Menge zu umfangreich ist. Aber: Durch diese Auslese werden Daten ausgeblendet, Information geht verloren. In anderen Worten: Es findet eine Reduktion durch Selektion statt.

Zudem muss klar sein, dass kodierte Inhalte eingefroren und damit fast unweigerlich festgeschrieben sind. Eine Veränderung des digitalen Formats ist im Regelfall aufwändig und wird daher oft unterlassen.

Nachfragen und Diskussionen, die bei Präsenzformaten schnell aufkommen und die immer mit einem Wissenstransfer unter den Beteiligten einhergehen, sind in digitalen Formaten schwer zu bewerkstelligen und daher meistens nicht existent. Dabei geht gerade dieser persönliche Austausch weit über die geplanten Lehrinhalte hinaus und führt damit zu einer vollständigeren Weitergabe des geistigen Kapitals.

Präsenzformate mit ihren unterschiedlichen Interaktionen sind deshalb oftmals effizienter und führen zu einer umfassenderen Übertragung des Wissens.

Empfehlenswert ist dazu auch der folgende Beitrag: Werden Organisationen durch digitales Lernen dumm? Dieser behandelt das Thema sehr ausführlich. 

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3 passende Publikationen von Dr. Wolfgang Karrlein

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Antwort von Sabine Hauswirth
Inhaberin Sabine Hauswirth Consulting Rosenheim

Auf keinen Fall reichen digitale Formate zum Wissenstransfer aus! Nicht nur in Organisationen, sondern auch in der Gesellschaft generell. Warum? Auch Lernen hat mit Beziehung und Bindung zu tun. Wenn wir es ganzheitlich wollen, dann können wir nicht die ausschließlich linke Hemisphäre unseres Gehirnes, die vor allem durch digitale Formate, Soziale Medien, Internet & Co angesprochen wird, stärken. Wir benötigen mehr denn je auch die rechte Hemisphäre unseres Gehirns: das ist der Bereich unseres Gehirns, der für Kreativität und für Emotion zuständig ist. Sicher können wir alles lernen, wenn es allein um kognitive Lerninhalte geht. Aber meines Erachtens gehört zunehmend zum Lernen eine Art von Bindungskultur und ein Rahmen sowie Räume, die Fürsorge, Schutz, Beziehung und Vertrauen ermöglichen. Die zunehmende Digitalisierung und die Zunahme der Nutzung digitaler Inhalte nämlich hat erwiesenermaßen zufolge, dass Bindung und persönlicher Kontakt verloren gehen. Gehirnforscher und Psychiater wie beispielsweise Daniel Siegel sowie andere in dem Bereich arbeitende Kollegen stellen sogar die Behauptung auf, dass wir über unsere rechte Gehirn-Hemisphäre auch unsere Identität, unsere Beziehungen sowie unsere generelle Bindungsfähigkeit ausbilden. Wenn wir also dem folgen wollen, dann würden wir also durch rein digitale Formate zunehmend unsere Identität, unsere Bindungsfähigkeit sowie unsere Kreativität verlieren. Man möchte meinen, wenn wir die aktuellen Entwicklungen im Netz und in den Sozialen Medien verfolgen, dass wir zunehmende Identitäts-Losigkeit, zunehmende Bindungs- und Orientierungslosigkeit sowie zunehmende Aggression und abnehmende Gefühle erkennen können. Meine Meinung ist: die digitalen Medien entfremden uns vollkommen von uns Selbst und dabei opfern wir unser Mensch-Sein den Robotern, der Scheinwelt des World Wide Web und all den Rattenfängern, die dieses Opfer bereitwillig einfangen und ködern.

Mein radikaler Ansatz ist: #Reduktion #GlueckIstKnaeckebrot #regionalökonomie und #digitaldetox. Übersetzt: raus aus den Sozialen Medien, zurück zu den Wurzeln unseres Mensch-Seins, rein in die persönlichen Beziehungen, raus in die Natur, raus aus dem Hamsterrad des immer höher, weiter, schneller, rein in die ständige Übung des Kreativ-Seins sowie bedingungsloses Grundeinkommen, um der Hänsel-und-Gretel-Ökonomie keine weitere Basis zu bieten.

Zudem verloren gehen der ganzheitliche Ansatz des Lernens, der ja bekanntermaßen über alle Sinne statffindet. Anerkannte Gehirnforscher wie Gerhard Hüther, Manfred Spitzer und Daniel Siegel beschreiben immer wieder die Gefahr, die durch ausschließlich digitale Inhalte ausgeht - die menschlichen Gehirne 'verarmen', da sie nunmehr nur noch einseitige 'Bindung' und 'Kommunikation' ermöglichen und zudem das Lernen über die Sinne (Hände/Augen/Ohren/Riechen) dabei gänzlich verloren gehen. Manfred Spitzer beschreibt es sehr gut in "Digitale Demenz" und Daniel Siegel in "Das Achtsame Gehirn" - wie Bindung, Lernen, Empathie, Kultur und damit Verbindung und Gemeinschaft usw. entstehen: dazu gehören u.a. persönlicher Kontakt und der muss nicht zwingend in Worten, also Sprache, gestaltet sein, aber er muss eben PERSÖNLICH stattfinden. Daniel Siegel beschreibt es in einer Kolumne in "pathwaystofamilywellness.org" mit dem Titel "Signal Boost - Pastway to Family Wellness" noch besser und prägnanter, was wichtig ist für nicht-oberflächliche Beziehung in Familien anstelle einseitiger, oberflächlicher Social Media Beziehungen: 1. Augenkontakt 2. Gesichtsausdruck 3. Tonfall/Stimme 4. Haltung 5. Gesten und eine passende Berührung 6. Intensität der Antwort/Reaktion. Dies sind also Beziehungen in Echt-Zeit und nicht in der virtuellen Welt. Das sind Kontakte in Echt-Zeit und nicht in der virtuellen Welt. Das sind Vertrauen in Echt-Bild anstelle Illusion und Image-Fallen. Wenn wir dann wieder auf das, was das mit Lernen zu tun hat, zurückkommen, nämlich Lernen in guten Beziehungen und vertrauensvoller Umgebung, dann können wir unmöglich davon ausgehen, dass wir ohne Beziehung wirklich Wissenstransfer erhalten, ohne dabei unsere Menschlichkeit zu verlieren.Wenn wir also Lernen in Beziehung erleben, lernen wir somit nicht nur WISSEN und kognitive Leistung zu verbessern, sondern wir lernen zugleich soziale Beziehung. In allerletzter Konsequenz lernen wir das, was wir in einer Gesellschaft sein wollen, wenn wir nicht untergehen wollen: als soziales Wesen nicht nur anerkannt und wertgeschätzt, sondern frei und selbstbestimmt in einer Feedback-Kultur. Das, was wir aktuell erleben, ist erst der Anfang: die Verrohung einer Gesellschaft, der Hass in einer Gesellschaft, die aus Rücksichtslosigkeit und Bindungsunfähigkeit entsteht. So nehmen wir immer mehr teil an einer Art psychopathischer Struktur und wenn wir nicht aufpasssen, übernimmt die Generation Y und Z und die nachfolgende Generation zunehmend dies als 'Vorbild' wahr und wenn nicht als Vorbild, dann als Bedrohung, derer man sich nicht mehr erwehren kann. Denn Rattenfängern unterschiedlichster Couleur wird es dann zunehmend leichter gemacht, Fallen zu stellen all denjenigen, die nicht stark genug sind, dem Widerstand zu leisten.

Was ich daher als die größte Gefahr ansehe in einer Zeit zunehmender digitaler Informationen:  die zunehmende Bindungslosigkeit. Kommunikation und damit auch Lernen entstehen in persönlichen Sender-Empfänger-Strukturen (Dozenten/Professoren/Lehrer/Coaches - Schüler/Studenten/Mitarbeiter usw.). Bindung entsteht durch Vertrauen. Vertrauen entsteht durch Oxytozin, dem Bindungshormon, das nicht nur beim Stillen von Babies zwischen Mutter und Kind ausgeschüttet wird und somit Bindung, Nähe und Vertrauen erst richtig entwickeln lassen. Oxytozin entsteht auch im normalen persönlichen, aber eben nur im persönlichen Kontakt, zwischen Menschen, wenn diese es gut miteinander meinen. Das bedeutet auch, wenn eine gute Atmosphäre, wenn gutes Vertrauen als Basis stattfinden kann, dann entstehen auch gute Lern- und Bildungs- sowie Bindungs-Kultur. Da rein digitale Formate keinerlei persönlichen Ansatz, keinerlei Bindungskultur und persönliche Beziehung anbieten können, können sie zwar Wissenstransfer bieten. Aber ausschließlich und dauerhaft angewandt fördern sie das in unserem Gehirn, was wir aktuell bereits in unserer Gesellschaft zunehmend bemerken: Bindungslosigkeit, Gewissenlosigkeit, fehlende Empathie, Vertrauensverlust in alles, was mit stabilen Werten oder Institutionen zu tun hat, Gefühllosigkeit, zunehmender Verlust von Intelligenz und emotionaler Intelligenz sowie zunehmende Rücksichtslosigkeit auf Werte, Kultur und Gefühle. Und das nur deshalb, weil die linke Hemisphäre unseres Gehirns dauerhaft beansprucht wird und die rechte Hemisphäre 'beiseite geschoben' wird. Ohne entsprechenden Ausgleich finden wir das, was uns das Netz in einer zunehmenden Brutalität offenbart. Wenn wir also neben den Sozialen Medien und sonstigen Online-Angeboten immer mehr auch über digitale Formate Wissenstransfer vermitteln, verlernen wir, wie man persönlich und echt kommuniziert, wie man intuitiv auf unterschiedliche Situationen in Echzeit reagieren kann und wie man Frustrationstoleranz erfährt und so vieles mehr, was wir in Echt-Zeit und im echten Leben benötigen. Anstatt auf Bäume zu steigen oder in der Natur unterschiedlichste Erfahrungen zu machen, werden zunehmend Illusionen, Fallen, konsumverführende Inhalte und vermeintliche Vorbilder, die keine sind, zu den neuen digitalen Göttern erkoren. Wirklichkeit wird so deformiert, Illusionen werden als Wahrheit verkauft. Wer dann keine echte Bindung mehr erfährt, auch nicht in der Schule oder an den Unis, wird Spielball der Manipulatoren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, genau an diese Schwachstellen anzudocken und somit unsere Gesellschaft vollends auszuhöhlen und zu ent-sozialisieren und zu ent-solidarisieren. Wer also seinen staatlichen Auftrag oder wer seinen Schulungs-Auftrag ernst nimmt, schult nicht ausschließlich über digitale Inhalte, im Gegenteil: derjenige verstärkt das Personal, das insbesondere die rechte Hemisphäre unseres Gehirns anspricht. Das bedeutet, das sind dann vor allem die Lehrer und Professoren, die das Wort Empathie nicht nur kognitiv erfasst haben, sondern auch vermitteln und vorleben können. Das sind diejenigen, die ihre Intelligenz nicht als Herrschaftsanspruch, sondern als souveränes Mentoring verstehen. Das sind diejenigen, die ihre Erfolge und Misserfolge, die ihre Fehler und Schwächen gleichermaßen positiv anerkennen im Sinne einer positiven Feedbackverwertung, weil genau diese Haltung erst zur Leistungssteigerung und Motivation führen kann. Wenn so Wissen zukünftig vermittelt wird, werden digitale Formate zum Nebenschauplatzu und zur lediglich sinnvollen Ergänzung einer Lern-Agenda.

Digitale Formate dürfen daher gerade im Zeitalter digitaler Transformation genau nur Eines sein: Nebensache, wenn wir als Menschen mit Gefühl, Empathie und Herz eines bleiben wollen: menschlich. Denn Wissen allein wird uns nichts mehr nützen: wir benötigen zunehmend Intuition, Empathie, Kreativität und einen klaren Verstand zur Lösung komplexer Fragestellungen in Wirtschaft und Gesellschaft im Zeitalter von Industrie 4.0.

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Antwort von Maik Tjarks
Freelancer Bremen

Digitale Formate reichen zum Wissenstransfer in Organisationen nicht immer aus, da nicht alle Lerntypen über diesen Weg angesprochen werden und weil die Darstellung des Wissens nicht unbedingt von jedem ohne Erklärung verstanden wird.

Zudem kommt es auf die Komplexität und Neuheit des Inhalts an: Je komplexer / neuer das Wissen, desto weniger reichen ausschließlich digitale Formate für ein effizientes und effektives Lernen aus.

Auch die Randbedingungen beeinflussen, wie gut über digitale Formate nachhaltig gelernt werden kann: Wie häufig ändert sich das zu Wissende? Gibt es genügend Zeit und Ruhe, sich mit den Inhalten zu beschäftigen? Gibt es eine schnelle Möglichkeit, Verständnis- bzw. weiterführende Fragen beantwortet zu bekommen? Ist der Transfer mit einer Abfrage bzw. einem Test verbunden? Wie wird die Transfergüte evaluiert? Wie sozial ist das Arbeitsklima (Einzelkämpfer oder Kooperation)?

Empfehlenswerter ist eine Kombination verschiedener Wissenstransfer-Möglichkeiten, wie beim Blended Learning. Hierbei können digitale Formate zum einen auf das neue Wissen vorbereiten und zum anderen den Lernprozess über längere Zeit günstig begleiten.

Fazit: Digitale Formate zum Wissenstransfer eignen sich für kleine Wissenspakete, wie z.B. Produkt XY kostet ab sofort 9,99 Euro. Bei komplexeren Themen, wie z.B. ein neues Produkt oder Arbeitsprozess, empfiehlt es sich, den Wissenstransfer über Präsenzveranstaltungen sinnvoll mit digitalen Formaten zu unterstützt.

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Antwort von Jürgen Frehse
CEO OnlineUniversity24 Hamburg

Grundsätzlich schon, wenn man Web-Konverenzen dazu zählt. Ansonsten ist die richtige Mischung wichtig. elearnings, Videos, wikipedia, praktische Beispiele, Testumgebungen, FAQs und Austauschmöglichkeiten per Blog oder chat.

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Antwort von Petra Binder
CEO - Unternehmerin Wien

Nein, sie reichen nicht aus! Digitale Formate sind eine gute Grundlage, um Anfangs-Kompetenzen zu erhalten.

Digital ist der 1. Schritt, alles weitere funktioniert nur durch persönliches ganzheitliche Erleben.

Weiters finde ich die umfassenden Worte von Sabine Hauswirth sehr empfehlenswert! Gut zusammengefasst! Herzlichen Dank!

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Antwort von Jochen Werne
Direktor | Prokurist München

In Zeiten exponentieller Technologien, kürzer werdender Produkt- und Geschäftsmodellzyklen und sinkender Margen in klassischen Sektoren, ist die Verlockung für Organisationen nach reinen kosteneffizienten e-learning Lösungen groß. Doch jedes Unternehmen, das sich konkurrenzfähig mit dem Thema lernender Organisationen beschäftigt wird nicht umher kommen zwischen den verschiedenen Formen des Wissenstransfers zu differenzieren und die Maßnahmen auf den Kontext, das Lernverhalten von Mitarbeitergruppen und die Kultur - den CultureCode - des Unternehmens, respektive auch des Landes in welchem das Unternehmen operiert, anzupassen.  

In komplexer werdenden Zeiten ist es im Wissenstransfer wichtig, dem Lernenden zu helfen eine emotionale Bewertung des Themas vorzunehmen um es zu  verstehen und nicht in die Falle der Trivialisierung zu treten, sodass eventuell strategisch wichtiges Wissen auf der Strecke bleibt.

Einmalig hervorgehoben wird dies in einem Beitrag des unvergessenen Prof. Dr. Peter Kruse https://youtu.be/m3QqDOeSahU

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Foto von Prof. Manuel Coello Arias
Antwort von Prof. Manuel Coello Arias
Hochschullehrer und Autor Ediciones Español para Economistas Campo de Criptana

Nein, man braucht immer die Leitung eines Lehrers, um die Schwächen des Lernprozesses zu überwinden. 

Die digitalen Formate, obwohl sie ausführlich und richtig präsentiert seien, reichen nicht aus. Beispielweise kann man behaupten, dass wenn eine Person bei einer Sprachsituation verschiedenen kommunikativen Absichten übermitteln will, benötigt nicht nur den passenden Wortschatz, sondern die richtige Satzstruktur und die Betonung, die für diese interaktive Situation notwendig ist.

Die digitalen Formate können von sich selbst allein es nicht umfassen.

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1 passende Publikation von Prof. Manuel Coello Arias

Cover zu Curso de Español para Economistas. Levels III-IV